In Deutschland setzen Aldi Süd und Aldi Nord ein klares Zeichen: Sie lehnen den Einsatz neuer Gentechnik (NGT) in ihren Eigenmarken ab und halten an gentechnikfreien Regalen fest. Das zeigt ein Supermarkt-Check von Greenpeace (Januar 2026). Auch Rewe und Penny fordern Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit. Sie vermeiden jedoch eine klare Positionierung gegen NGT – die Verantwortung gegenüber Konsumentinnen, Konsumenten und Umwelt wird damit abgegeben. Andere Händler wie Lidl, Kaufland, Edeka und Netto bleiben zurückhaltend.
Positiv fällt auf: Milch, Eier und Geflügel der Eigenmarken sind laut Umfrage weitgehend als gentechnikfrei gekennzeichnet. Schwachstellen bestehen jedoch weiterhin bei Rind- und Schweinefleisch.
Kritisch sieht Greenpeace die politischen Entwicklungen auf EU-Ebene: Die geplante Abschaffung der Kennzeichnungs- und Rückverfolgbarkeitspflicht für die meisten Pflanzen aus NGT könnte die gentechnikfreie Produktion massiv erschweren. «Ein Nachweis der Gentechnikfreiheit wird nur noch unter enormen Kosten möglich sein», warnt die Organisation.
Auch zivilgesellschaftlicher Widerstand formiert sich: An der Grüne Woche 2026 in Berlin forderten 45 Umwelt‑, Verbraucher- und Bauernorganisationen, dass neue Gentechnik weiterhin umfassend geprüft, gekennzeichnet und rückverfolgbar bleibt. Zudem verlangen sie strikte Koexistenzregeln, Haftungsschutz für gentechnikfreie Betriebe sowie ein Patentverbot.
Schweiz: Detailhändler im Widerspruch zwischen Offenheit und Vorsorge
Und wie positioniert sich der Schweizer Detailhandel?
Auf unsere Anfrage betont ALDI SUISSE vor allem Grundsätze statt konkreter Zusagen: Man verfolge die Entwicklungen aufmerksam und orientiere sich an geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie an den Erwartungen der Kundschaft. «Transparenz, Produktsicherheit und eine klare Deklaration sind für uns zentrale Grundsätze», schreibt die Medienstelle. Eine inhaltliche Position zur neuen Gentechnik vermeidet das Unternehmen jedoch und verweist auf den Schweizer Detailhandelsverband Swiss Retail Federation. Dieser widerspricht sich jedoch in seiner Stellungnahme zum geplanten «Züchtungstechnologiengesetz»: Einerseits fordert er keine Kennzeichnungspflicht für Gentechnik, andererseits lehnt er aber auch die Kennzeichnung «ohne Gentechnik» konventioneller Produkte ab – und vermeidet so jede klare Position zur neuen Gentechnik.
Deutlich ausführlicher äussern sich andere grosse Detailhändler in ihren Stellungnahmen zum Entwurf des Züchtungstechnologiengesetzes:
Die Migros betont zwar die Wichtigkeit der Wahlfreiheit der Konsument:innen und fordert eine Deklaration auf Saatgutebene. Gleichzeitig zeigt sie sich aber offen für eine «liberale Regulierung», die neuen gentechnischen Verfahren, die « innerhalb der arteigenen DNA operieren» ermöglicht. Ziel sei ein «sicheres und machbares Nebeneinander» von gentechnischer und gentechnikfreier Produktion.
Ähnlich argumentiert Coop: Auch hier wird eine liberalere Regulierung grundsätzlich unterstützt, sofern ein freiwilliger Verzicht möglich bleibt. Coop fordert geeignete Deklarationsvorschriften zur Trennung der Warenflüsse und betont ebenfalls die Bedeutung von einer sicheren und machbaren Koexistenz, von einer «echten» Wahlfreiheit und konsumentenfreundlicher Kennzeichnung. Zusätzlich hebt Coop die Bedeutung des Biosektors hervor und stellt klar, dass NGT keine wirtschaftlichen Risiken für die gentechnikfreie Produktion verursachen dürfe – andernfalls müssten entsprechende Produkte vom Markt genommen werden.
Widersprüchliche Signale
Die Einordnung zeigt: Während in Deutschland einzelne Händler wie Aldi klar Position beziehen, bleibt der Schweizer Detailhandel insgesamt vorsichtiger – und teils widersprüchlich.
Sowohl Migros als auch Coop widersprechen sich stark in ihrer Argumentation. Beide sprechen sich für Wahlfreiheit und transparente Deklaration aus, unterstützen gleichzeitig jedoch regulatorische Öffnungen für neue gentechnische Verfahren. Damit entsteht ein Spannungsfeld zwischen Marktliberalisierung und dem Anspruch, gentechnikfreie Produktion langfristig zu sichern. Die Frage, wie dieses «Nebeneinander» konkret funktionieren soll – insbesondere ohne lückenlose Rückverfolgbarkeit und klare Kennzeichnung – bleibt offen.
Der Detailhandel muss sich konsequent für die Interessen seiner Kundschaft einsetzen und sich aktiv für eine strenge Regulierung der neuen Gentechnik einsetzen.
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