Ohne sorgfältige Risikoprüfung und langfristige Beobachtung können sich gentechnische Eigenschaften unkontrolliert in der Umwelt ausbreiten – mit potenziell irreversiblen Folgen für Biodiversität, Landwirtschaft und natürliche Ökosysteme. (Bild: Rasbak / Wikimedia Commons)

Beweise häufen sich: Umweltrisiken von Gentechpflanzen bedeutend

Umwelt­ri­si­ken gen­tech­nisch ver­än­der­ter Pflan­zen dür­fen nicht unter­schätzt wer­den. Dies zei­gen meh­re­re aktu­el­le wis­sen­schaft­li­che Publi­ka­tio­nen. Ins­be­son­de­re Kreu­zun­gen mit Wild­ar­ten füh­ren dazu, dass sich gen­tech­ni­sche Ver­än­de­run­gen über Gene­ra­tio­nen hin­weg ver­brei­ten und sogar zu Fit­ness­vor­tei­len füh­ren kön­nen. Bis sol­che Aus­wir­kun­gen sicht­bar wer­den, kann es län­ger dau­ern. Des­halb ist eine umfas­sen­de Umwelt­ri­si­ko­prü­fung wei­ter­hin unver­zicht­bar.

Gen­tech­ni­sche Ver­än­de­run­gen ver­hal­ten sich im Feld nicht kon­trol­liert. Über Gene­ra­tio­nen kön­nen sie sich in kom­ple­xer Wei­se mit Wild­po­pu­la­tio­nen ver­mi­schen und sich dort lang­fri­stig eta­blie­ren. Meh­re­re neue Stu­di­en zei­gen unab­hän­gig von­ein­an­der, dass Kreu­zun­gen zwi­schen gen­tech­nisch ver­än­der­ten Kul­tur­pflan­zen und wil­den Ver­wand­ten zu uner­war­te­ten Eigen­schaf­ten und sogar zu füh­ren kön­nen – mit poten­zi­ell gra­vie­ren­den Fol­gen für Öko­sy­ste­me.

Reis: Aus­kreu­zung nicht kon­trol­lier­bar – Fit­ness­vor­tei­le in Fol­ge­ge­nera­tio­nen

Eine aktu­el­le Stu­die chi­ne­si­scher For­schen­den zeigt erst­mals über meh­re­re Gene­ra­tio­nen hin­weg, dass sich Fremd­ge­ne in Wild­reis sta­bil ein­kreu­zen und dabei deut­li­che Fit­ness­vor­tei­le ver­mit­teln kön­nen. Die unter­such­ten Fremd­ge­ne ver­lei­hen dem Kul­tur­reis eine Tole­ranz gegen das umstrit­te­ne Unkraut­ver­til­gungs­mit­tel Gly­pho­sat. Hybri­de der drit­ten bis fünf­ten Gene­ra­ti­on zeig­ten unter ande­rem eine grös­se­re Pflan­zen­hö­he, mehr Ris­pen sowie eine höhe­re Anzahl an Kör­nern.

Die­se neu­en Fit­ness­vor­tei­le wur­den durch die grund­le­gen­den Stoff­wech­sel­ver­än­de­run­gen der Pflan­zen aus­ge­löst. Denn das ein­ge­führ­te Gen, wel­che für die Gly­pho­sat­to­le­ranz ver­ant­wort­lich ist, kann die bio­che­mi­schen Pro­zes­se in der Pflan­ze beein­flus­sen und dadurch Wachs­tums­vor­tei­le aus­lö­sen. Das Ergeb­nis: Die trans­ge­nen Eigen­schaf­ten kön­nen sich in Wild­po­pu­la­tio­nen nicht nur hal­ten, son­dern sogar ver­brei­ten.

Soja – Anpas­sung an Wild­pflan­zen ver­stärkt Aus­brei­tung

Eine wei­te­re Stu­die mit gly­pho­sat­to­le­ran­ter Gentechs­o­ja bestä­tigt die­se Pro­ble­ma­tik. Auch hier blieb die Her­bi­zid­re­si­stenz über meh­re­re Gene­ra­tio­nen sta­bil erhal­ten, selbst wenn kein Gly­pho­sat mehr ein­ge­setzt wur­de. Zudem tra­ten Hybri­de mit deut­li­chen Fit­ness­vor­tei­len auf.

Beson­ders kri­tisch ist dabei die Wech­sel­wir­kung mit den bio­lo­gi­schen Eigen­schaf­ten der Wild­so­ja, die einen ran­ken­den Wuchs auf­weist. Eini­ge Nach­kom­men, die das Fremd­gen in sich tru­gen, ent­wickel­ten im Ver­lauf meh­re­re Gene­ra­tio­nen Wuchs­for­men, die zuneh­mend den Wild­pflan­zen ähnel­ten. Damit steigt das Risi­ko, dass sol­che Pflan­zen in die Umwelt ent­kom­men und sich schnel­ler in natür­li­chen Popu­la­tio­nen ver­brei­ten. Sol­che Pflan­zen kön­nen öko­lo­gi­sche Gleich­ge­wich­te stö­ren und Wild­po­pu­la­tio­nen lang­fri­stig ver­drän­gen, so die Autor:innen.

Rübsen/Raps: Unkon­trol­lier­te Aus­brei­tung trotz Anbau­ver­bot

Eine drit­te Stu­die zeigt die rea­le Dimen­si­on der Pro­ble­ma­tik anhand von her­bi­zid­to­le­ran­tem Rüb­sen in Argen­ti­ni­en. Rüb­sen ist eng mit Raps ver­wandt und kommt sowohl als Kul­tur­pflan­ze als auch als Unkraut vor. Die bei­den Arten kön­nen sich mit­ein­an­der kreu­zen. Obwohl welt­weit kein gen­tech­nisch ver­än­der­ter Rüb­sen zuge­las­sen ist, wur­den in Argen­ti­ni­en trans­ge­ne Rüb­sen­pflan­zen in gros­sem Umfang nach­ge­wie­sen – inzwi­schen auf rund einer Mil­li­on Hekt­ar.

Auch Gen­tech­raps ist dort seit 1997 ver­bo­ten. Trotz­dem wur­den 2012 nicht zuge­las­se­ne gen­tech­nisch ver­än­der­te Raps­pflan­zen ent­deckt – offen­bar aus ille­ga­lem Anbau. Die­ser hat zur Aus­brei­tung der trans­ge­nen Eigen­schaft und zur Aus­kreu­zung in den ver­wand­ten Rüb­sen geführt. Die weit ver­brei­te­te Anwen­dung von Gly­pho­sat könn­te die­sen Pro­zess zusätz­lich begün­stigt haben.

Auch in Kana­da wur­den ver­gleich­ba­re Aus­kreu­zun­gen zwi­schen Gen­tech­raps und Wild­ver­wand­ten doku­men­tiert.

Öko­lo­gi­sche Risi­ken zei­gen sich erst (zu) spät – Vor­sor­ge ist ein Muss

Alle drei Stu­di­en ver­deut­li­chen ein gemein­sa­mes Muster: Die öko­lo­gi­schen Fol­gen gen­tech­ni­scher Ver­än­de­run­gen zei­gen sich oft erst nach vie­len Gene­ra­tio­nen und unter rea­len Umwelt­be­din­gun­gen. Kreu­zun­gen mit Wild­ar­ten kön­nen dabei zu neu­en Eigen­schaf­ten füh­ren, die weder vor­her­seh­bar noch rever­si­bel sind. Vor den Gefah­ren der unkon­trol­lier­ten Aus­brei­tung war­nen auch euro­päi­sche Expert:innen – dar­un­ter ein ehe­ma­li­ges Mit­glied des Gen­tech­nik-Panels der Euro­päi­schen Lebens­mit­tel­be­hör­de EFSA, die sich bis­her nicht für eine stren­ge Risi­ko­prü­fung von Pflan­zen aus NGT aus­ge­spro­chen hat. Sie for­dern, dass vor dem Hin­ter­grund der bis­he­ri­gen Erfah­run­gen auch Kon­se­quen­zen für den Umgang mit Pflan­zen aus neu­er Gen­tech­nik (NGT) gezo­gen wer­den.

Die aktu­el­len Ergeb­nis­se unter­strei­chen die zen­tra­le Bedeu­tung einer umfas­sen­den und lang­fri­sti­gen Umwelt­ri­si­ko­prü­fung für alle Gen­tech­pflan­zen – ins­be­son­de­re auch im Bereich der neu­en Gen­tech­nik (NGT). Dafür setzt sich auch die SAG ein. Wir dür­fen nicht zulas­sen, dass unse­re Öko­sy­ste­me der Bedro­hung durch die neue Gen­tech­nik aus­ge­setzt wer­den – das Vor­sor­ge­prin­zip muss umge­setzt wer­den.

Aktuelle Beiträge zum Thema

Hypermorphing: Kleinste Eingriffe mit grosser Wirkung – und grossen Risiken

Deregulierung der neuen Gentechnik: Konzerne gewinnen, Konsument:innen verlieren

Neue EU-Gentechnik-Verordnung: Doppelter Rechtsbruch

Medienmitteilung: EU lockert Regeln für gentechnisch veränderte Lebensmittel massiv

Ich mach mit:

Saatgut und Lebensmittel aus neuer Gentechnik könnten bald ohne Kennzeichnung und Risikoprüfung verkauft werden. Was halten Sie davon?

Damit wir wissen, was auf unseren Tellern landet, sammeln wir Stimmen aus der Praxis.

So geht's:

  1. Laden Sie den passenden Fragebogen herunter.
  2. Beantworten Sie 1-3 Fragen.
  3. Senden Sie uns Ihre Antworten, den Namen Ihres Betriebs und ein hochauflösendes Foto per Email an info@gentechfrei.ch.

 

Kurzumfrage für Akteur:innen aus den Bereichen:

 

Alternativ können Sie die Fragen als Word-Dokument anfordern: info@gentechfrei.ch.


Wir veröffentlichen Ihre Einsendung auf unserer Kampagnenseite und teilen sie in den sozialen Medien. Helfen Sie uns, Transparenz, Wahlfreiheit und Nachhaltigkeit zu sichern! Danke für Ihre Unterstützung.

Fragen?
E-Mail an info@gentechfrei.ch oder 044 262 25 76.

Veranstaltung:

Zürich isst! Sichern Sie sich Ihr Ticket für unsere Filmvorführungen mit anschliessenden Podien!

Im September 2015 steht ganz Zürich im Zeichen von Ernährung, Umwelt und Genuss. «Zürich isst» bietet der Bevölkerung mit vielfältigen Veranstaltungen die Gelegenheit, sich mit Fragen einer nachhaltigen Ernährung auseinanderzusetzen. Zum Programm: www.zuerich-isst.ch. DIE ZUKUNFT PFLANZEN – BIO FÜR 9 MILLIARDEN       
23. September 2015, 18 bis 21.30, Riffraff Kino Zürich