Eine neue Publikation des von CRISPR-Mitentwicklerin Jennifer Doudna gegründeten „Innovative Genomics Institute“ zeigt eine neue Dimension der neuen Gentechnik (NGT). Schlau gesteuert können bereits kleinste Veränderungen im Erbgut eine besonders starke Wirkung entfalten und Pflanzen massiv verändern. Diese Strategie wird als Hypermorphing – also gezielte Übersteigerung biologischer Eigenschaften – bezeichnet und ist besonders besorgniserregend. Denn nach einer neuen Verordnung der EU werden NGT-Pflanzen mit weniger als 20 gentechnischen Veränderungen künftig ohne Risikoprüfung zugelassen – ein willkürlich festgelegter Schwellenwert, der keineswegs vor Risiken schützt. Strategien wie Hypermorphing können diesen Schwellenwert leicht umgehen und dennoch drastische und potenziell riskante Veränderungen erzielen.
Möglichst wenige Eingriffe – grösstmögliche Wirkung
Die Strategie dahinter ist raffiniert: Mittels CRISPR/Cas werden zunächst zahlreiche DNA-Abschnitte verändert, die wie Schalter für die Aktivität von Genen wirken. Anschliessend wählen die Forschenden jene minimalen Mutationen aus, die die grösstmögliche Veränderung einer bestimmten Pflanzeneigenschaft bewirken. Somit kann die Genaktivität anhand weniger Eingriffe besonders stark gesteuert werden.
Gerade diese minimale Zahl an Veränderungen ist politisch brisant. Denn nach der neuen EU-Verordnung werden NGT-Pflanzen mit bis zu 20 genetischen Veränderungen künftig ohne verpflichtende Risikoprüfung und ohne Kennzeichnung auf den Markt kommen. Die neue Publikation zeigt jedoch deutlich: Nicht die Anzahl der Veränderungen entscheidet über das Risiko, sondern deren Wirkung.
Völlig neue biologische Eigenschaften – und Risiken
Am Beispiel von Hirse demonstrieren die Forschenden, wie durch „Hypermorphing“ die Photosyntheseleistung massiv gesteigert werden konnte – laut Publikation um mehr als das 30-fache. Solche Eigenschaften existierten bislang weder in der Natur noch in der bisherigen Züchtung. Selbst alte Gentechnikverfahren mit Einfügung von Transgenen konnten derart extreme Veränderungen bisher nicht erreichen.
Damit entstehen Pflanzen mit völlig neuen biologischen Eigenschaften – und entsprechend schwer abschätzbaren Risiken für die Ökosysteme. Pflanzen mit stark erhöhter Photosynthese könnten sich zum Beispiel invasiv ausbreiten. Auch ein übermässiger Verbrauch von Wasser und Bodenressourcen infolge überschiessenden Wachstums ist denkbar.
Willkürlicher Schwellenwert schützt nicht vor Risiken
Die Studie unterstreicht damit ein grundlegendes Problem der neuen EU-Regulierung für NGT-Pflanzen: Der Schwellenwert von „20 genetischen Veränderungen“ ist wissenschaftlich nicht begründet und bietet keinen Schutz vor Risiken. Bereits einzelne, gezielt platzierte Mutationen können tiefgreifende Auswirkungen auf Pflanzen und Umwelt haben.
Egal, wie sehr eine von wirtschaftlichen Interessen geleitete Politik versucht, solche unbequemen Tatsachen zu vertuschen: Die neuen Forschungsergebnisse unterstreichen den dringenden Bedarf an unabhängiger Risikoforschung und einer strengen Regulierung. Ohne sorgfältige Prüfung könnten künftig Pflanzen freigesetzt werden, deren Auswirkungen auf Umwelt und Landwirtschaft kaum vorhersehbar sind.
Unterschreiben Sie jetzt den Appell «Keine EU-Gentechnik in unseren Tellern!» an Bundesrat und Parlament für eine strenge Regulierung der neuen Gentechnik zum Schutz der Schweizer Landwirtschaft vor Gentech-Risiken!