Übersteigerung biologischer Eigenschaften – etwa der Photosyntheseleistung – führt zu neuen Risiken. (Bild: Wikimedia Commons)

Hypermorphing: Kleinste Eingriffe mit grosser Wirkung – und grossen Risiken

Eine neue Publi­ka­ti­on des von CRIS­PR-Mit­ent­wick­le­rin Jen­ni­fer Doud­na gegrün­de­ten „Inno­va­ti­ve Geno­mics Insti­tu­te“ zeigt eine neue Dimen­si­on der neu­en Gen­tech­nik (NGT). Schlau gesteu­ert kön­nen bereits klein­ste Ver­än­de­run­gen im Erb­gut eine beson­ders star­ke Wir­kung ent­fal­ten und Pflan­zen mas­siv ver­än­dern. Die­se Stra­te­gie wird als Hyper­mor­phing – also geziel­te Über­stei­ge­rung bio­lo­gi­scher Eigen­schaf­ten – bezeich­net und ist beson­ders besorg­nis­er­re­gend. Denn nach einer neu­en Ver­ord­nung der EU wer­den NGT-Pflan­zen mit weni­ger als 20 gen­tech­ni­schen Ver­än­de­run­gen künf­tig ohne Risi­ko­prü­fung zuge­las­sen – ein will­kür­lich fest­ge­leg­ter Schwel­len­wert, der kei­nes­wegs vor Risi­ken schützt. Stra­te­gien wie Hyper­mor­phing kön­nen die­sen Schwel­len­wert leicht umge­hen und den­noch dra­sti­sche und poten­zi­ell ris­kan­te Ver­än­de­run­gen erzie­len.

Mög­lichst weni­ge Ein­grif­fe – grösst­mög­li­che Wir­kung

Die Stra­te­gie dahin­ter ist raf­fi­niert: Mit­tels CRISPR/Cas wer­den zunächst zahl­rei­che DNA-Abschnit­te ver­än­dert, die wie Schal­ter für die Akti­vi­tät von Genen wir­ken. Anschlies­send wäh­len die For­schen­den jene mini­ma­len Muta­tio­nen aus, die die grösst­mög­li­che Ver­än­de­rung einer bestimm­ten Pflan­zen­ei­gen­schaft bewir­ken. Somit kann die Gen­ak­ti­vi­tät anhand weni­ger Ein­grif­fe beson­ders stark gesteu­ert wer­den.

Gera­de die­se mini­ma­le Zahl an Ver­än­de­run­gen ist poli­tisch bri­sant. Denn nach der neu­en EU-Ver­ord­nung wer­den NGT-Pflan­zen mit bis zu 20 gene­ti­schen Ver­än­de­run­gen künf­tig ohne ver­pflich­ten­de Risi­ko­prü­fung und ohne Kenn­zeich­nung auf den Markt kom­men. Die neue Publi­ka­ti­on zeigt jedoch deut­lich: Nicht die Anzahl der Ver­än­de­run­gen ent­schei­det über das Risi­ko, son­dern deren Wir­kung.

Völ­lig neue bio­lo­gi­sche Eigen­schaf­ten – und Risi­ken

Am Bei­spiel von Hir­se demon­strie­ren die For­schen­den, wie durch „Hyper­mor­phing“ die Pho­to­syn­the­se­lei­stung mas­siv gestei­gert wer­den konn­te – laut Publi­ka­ti­on um mehr als das 30-fache. Sol­che Eigen­schaf­ten exi­stier­ten bis­lang weder in der Natur noch in der bis­he­ri­gen Züch­tung. Selbst alte Gen­tech­nik­ver­fah­ren mit Ein­fü­gung von Trans­ge­nen konn­ten der­art extre­me Ver­än­de­run­gen bis­her nicht errei­chen.

Damit ent­ste­hen Pflan­zen mit völ­lig neu­en bio­lo­gi­schen Eigen­schaf­ten – und ent­spre­chend schwer abschätz­ba­ren Risi­ken für die Öko­sy­ste­me. Pflan­zen mit stark erhöh­ter Pho­to­syn­the­se könn­ten sich zum Bei­spiel inva­siv aus­brei­ten. Auch ein über­mäs­si­ger Ver­brauch von Was­ser und Boden­res­sour­cen infol­ge über­schies­sen­den Wachs­tums ist denk­bar.

Will­kür­li­cher Schwel­len­wert schützt nicht vor Risi­ken

Die Stu­die unter­streicht damit ein grund­le­gen­des Pro­blem der neu­en EU-Regu­lie­rung für NGT-Pflan­zen: Der Schwel­len­wert von „20 gene­ti­schen Ver­än­de­run­gen“ ist wis­sen­schaft­lich nicht begrün­det und bie­tet kei­nen Schutz vor Risi­ken. Bereits ein­zel­ne, gezielt plat­zier­te Muta­tio­nen kön­nen tief­grei­fen­de Aus­wir­kun­gen auf Pflan­zen und Umwelt haben.

Egal, wie sehr eine von wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen gelei­te­te Poli­tik ver­sucht, sol­che unbe­que­men Tat­sa­chen zu ver­tu­schen: Die neu­en For­schungs­er­geb­nis­se unter­strei­chen den drin­gen­den Bedarf an unab­hän­gi­ger Risi­ko­for­schung und einer stren­gen Regu­lie­rung. Ohne sorg­fäl­ti­ge Prü­fung könn­ten künf­tig Pflan­zen frei­ge­setzt wer­den, deren Aus­wir­kun­gen auf Umwelt und Land­wirt­schaft kaum vor­her­seh­bar sind.

Unter­schrei­ben Sie jetzt den Appell «Kei­ne EU-Gen­tech­nik in unse­ren Tel­lern!» an Bun­des­rat und Par­la­ment für eine stren­ge Regu­lie­rung der neu­en Gen­tech­nik zum Schutz der Schwei­zer Land­wirt­schaft vor Gen­tech-Risi­ken! 

Aktuelle Beiträge zum Thema

Deregulierung der neuen Gentechnik: Konzerne gewinnen, Konsument:innen verlieren

Neue EU-Gentechnik-Verordnung: Doppelter Rechtsbruch

Medienmitteilung: EU lockert Regeln für gentechnisch veränderte Lebensmittel massiv

Keine EU-Gentechnik in unseren Tellern!

Ich mach mit:

Saatgut und Lebensmittel aus neuer Gentechnik könnten bald ohne Kennzeichnung und Risikoprüfung verkauft werden. Was halten Sie davon?

Damit wir wissen, was auf unseren Tellern landet, sammeln wir Stimmen aus der Praxis.

So geht's:

  1. Laden Sie den passenden Fragebogen herunter.
  2. Beantworten Sie 1-3 Fragen.
  3. Senden Sie uns Ihre Antworten, den Namen Ihres Betriebs und ein hochauflösendes Foto per Email an info@gentechfrei.ch.

 

Kurzumfrage für Akteur:innen aus den Bereichen:

 

Alternativ können Sie die Fragen als Word-Dokument anfordern: info@gentechfrei.ch.


Wir veröffentlichen Ihre Einsendung auf unserer Kampagnenseite und teilen sie in den sozialen Medien. Helfen Sie uns, Transparenz, Wahlfreiheit und Nachhaltigkeit zu sichern! Danke für Ihre Unterstützung.

Fragen?
E-Mail an info@gentechfrei.ch oder 044 262 25 76.

Veranstaltung:

Zürich isst! Sichern Sie sich Ihr Ticket für unsere Filmvorführungen mit anschliessenden Podien!

Im September 2015 steht ganz Zürich im Zeichen von Ernährung, Umwelt und Genuss. «Zürich isst» bietet der Bevölkerung mit vielfältigen Veranstaltungen die Gelegenheit, sich mit Fragen einer nachhaltigen Ernährung auseinanderzusetzen. Zum Programm: www.zuerich-isst.ch. DIE ZUKUNFT PFLANZEN – BIO FÜR 9 MILLIARDEN       
23. September 2015, 18 bis 21.30, Riffraff Kino Zürich