Zürich, 2. September 2026 – Der slowakische Premierminister Robert Fico hat heute nach dem Regierungstreffen angekündigt, dass die Slowakei rechtlich gegen die Verordnung für Pflanzen aus neuer Gentechnik in der EU vorgehen wird. Am 17. Juni hat die EU einer weitreichenden Deregulierung von Pflanzen aus neuer Gentechnik zugestimmt. Die grosse Mehrheit der Pflanzen, die mittels neuer Gentechnik wie CRISPR/Cas entstehen, sollen ohne Risikoprüfung, ohne Regeln für das Nebeneinander von gentechnikfreier und gentechnisch veränderter Landwirtschaft im Feld und ohne Kennzeichnung der Lebensmittel in Verkehr gebracht werden. Die EU-Deregulierung unterwandert das Vorsorgeprinzip. Die Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG) fordert Bundesrat und Parlament auf, in der Schweiz Wahlfreiheit und die gentechnikfreie und die gentechnikfreie Landwirtschaft zu schützen.
Recht auf Wahlfreiheit sicherstellen
«Dass der slowakische Premierminister gegen den weitgehenden Entscheid der EU vorgehen will, begrüsse ich,» hält Nationalrätin und Präsidentin der Schweizer Allianz Gentechfrei fest. «auch die SAG hält es für fahrlässig, die grosse Mehrheit von Pflanzen aus neuer Gentechnik ohne Risikoprüfung, ohne Regeln für das Nebeneinander im Feld (Koexistenz) und ohne Kennzeichnung der Lebensmittel zuzulassen.»
Vorsorgeprinzip ausgehebelt
Das Vorsorgeprinzip ist eine zentrale Grundlage des Umweltrechts – in der EU wie in der Schweiz. Es besagt: Wer eine Technologie einsetzen will, muss zuerst nachweisen, dass sie keine unzumutbaren Risiken birgt. «Mit der EU-Deregulierung wurde das Vorsorgeprinzip ausgehebelt. Das macht das Gesetz angreifbar vor dem Europäischen Gerichtshof», mahnt Marionna Schlatter. «Jeder gentechnische Eingriff kann unbeabsichtigte Nebeneffekte haben, deshalb muss jeder Fall einzeln geprüft werden.»
Gentechnikfreie Schweizer Landwirtschaft unter Druck
In der Schweiz müssen gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel laut Gentechnikgesetz gekennzeichnet und auf Risiken geprüft werden. Fallen diese Pflichten in der EU weg, wird der Vollzug der Schweizer Gesetzgebung deutlich erschwert. Marionna Schlatter erklärt: «Mit einer Nichtigkeitsklage seitens Slowakei ist unklar, wie Pflanzen aus neuer Gentechnik in der EU künftig reguliert werden. Der Bundesrat muss sich jetzt für die Wahlfreiheit und den Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft in der Schweiz einsetzen.»
«Für Schweizer Konsumenten und Konsumentinnen ist es selbstverständlich, dass Lebensmittel gentechnikfrei sind», hält Claudia Vaderna fest. «Im In- und Ausland ist Gentechfreiheit ein bedeutender Wettbewerbsvorteil, so etwa in der Käseindustrie.»
Die Schweizer Allianz Gentechfrei unterstützt das geltende Gentechnikgesetz mit Kennzeichnungspflicht, Risikoprüfung und Koexistenzregeln. Sie fordert, dass auch die neue Gentechnik streng reguliert wird. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat sie einen Appell zum Schutz der Wahlfreiheit und der gentechnikfreien Landwirtschaft lanciert.
Link zum Appell
Link zum Zeitungsartikel von now.sk
Weitere Auskünfte:
- Marionna Schlatter, Präsidentin SAG und Nationalrätin GRÜNE, E: schlatter@parl.ch, T: 077 475 25 02
- Claudia Vaderna, Geschäftsleiterin SAG
E: c.vaderna@gentechfrei.ch, T: 079 564 74 91