Kräuterhacker anstatt Kosmetikschere: Mehr Transparenz - auch in der Kommunikation! Bild: Wikimedia Commons

Gentechnik-Metaphern: Risiken auch sprachlich ausgeblendet

Die Eid­ge­nös­si­sche Ethik­kom­mis­si­on für die Bio­tech­no­lo­gie im Aus­ser­hu­man­be­reich zeigt: Begrif­fe wie «Gen­sche­re» klin­gen harm­los – sind es aber nicht. Sol­che Meta­phern sug­ge­rie­ren Prä­zi­si­on, Kon­trol­le und Ein­fach­heit. Sie prä­gen die öffent­li­che Wahr­neh­mung und tra­gen dazu bei, die Risi­ken neu­er gen­tech­ni­scher Ver­fah­ren zu ver­harm­lo­sen. Die EKAH for­dert mehr Trans­pa­renz: Staat­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on soll auf irre­füh­ren­de Begrif­fe ver­zich­ten. Dies gera­de in Abstim­mungs­un­ter­la­gen und Ver­nehm­las­sun­gen, wie im aktu­el­len Gesetz­ge­bungs­pro­zess zum soge­nann­ten «Züch­tungs­tech­no­lo­gien­ge­setz».

Der im April ver­öf­fent­lich­te EKAH-Bericht zeigt, wie stark Spra­che die öffent­li­che Debat­te beein­flusst. Wäh­rend Begrif­fe wie «Gen­sche­re» oder «Geno­me­di­tie­rung» im wis­sen­schaft­li­chen Kon­text als neu­tra­le Kurz­for­men die­nen kön­nen, ent­fal­ten sie in der öffent­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on eine ganz ande­re Wir­kung: Sie erzeu­gen Bil­der von ziel­ge­nau­en, fast mühe­lo­sen Ein­grif­fen ins Erb­gut – ein Ein­druck, der mit der bio­lo­gi­schen Rea­li­tät wenig zu tun hat.

Denn die­se ist deut­lich kom­ple­xer. Ein­grif­fe mit CRISPR kön­nen an uner­war­te­ten Stel­len im Genom Ver­än­de­run­gen her­vor­ru­fen. Der anschlies­sen­de Repa­ra­tur­pro­zess ist kein kon­trol­lier­ter tech­ni­scher Vor­gang, son­dern ein feh­ler­an­fäl­li­ger, zell­ge­steu­er­ter Pro­zess. Unge­woll­te Neben­wir­kun­gen und Risi­ken gehö­ren zur Gen­tech­nik dazu – wer­den aber in der öffent­li­chen Dar­stel­lung oft aus­ge­blen­det.

Beschö­ni­gen­de Meta­phern irre­füh­rend

Der Bericht macht deut­lich: Meta­phern heben bestimm­te Aspek­te her­vor und las­sen ande­re in den Hin­ter­grund tre­ten. Was als ver­ständ­li­che Ver­ein­fa­chung gedacht ist, kann aus dem wis­sen­schaft­li­chen Kon­text geris­sen zur Ver­zer­rung wer­den. Begrif­fe wie «Gen-Kor­rek­tur» oder «Cut and Paste» ver­lie­ren aus­ser­halb des Fach­kon­texts ihren meta­pho­ri­schen Cha­rak­ter und wer­den leicht wört­lich ver­stan­den.

Gleich­zei­tig zeigt sich ein wei­te­rer pro­ble­ma­ti­scher Trend: Neue Gen­tech­nik wird zuneh­mend als natür­li­che und unaus­weich­li­che Ent­wick­lung dar­ge­stellt. Die Ent­deckung von CRISPR erschien in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung als plötz­li­cher Durch­bruch – obwohl die zugrun­de lie­gen­den Mecha­nis­men bereits seit den 1980er-Jah­ren bekannt sind und erst über Jahr­zehn­te hin­weg erforscht wur­den. Die­se Erzäh­lung ver­stärkt den Ein­druck, die Tech­no­lo­gie sei alter­na­tiv­los.

Mehr Trans­pa­renz in der Kom­mu­ni­ka­ti­on

Die EKAH for­dert des­halb mehr Trans­pa­renz in der Kom­mu­ni­ka­ti­on – ins­be­son­de­re durch staat­li­che Stel­len. In Abstim­mungs­un­ter­la­gen und Ver­nehm­las­sun­gen sol­len irre­füh­ren­de Begrif­fe ver­mie­den oder zumin­dest erklärt wer­den. Meta­phern sei­en zwar oft unver­zicht­bar, müss­ten aber reflek­tiert ein­ge­setzt wer­den. Ent­schei­dend sei, dass Bewer­tun­gen nicht durch sprach­li­che Bil­der vor­weg­ge­nom­men wer­den, son­dern offen und nach­voll­zieh­bar erfol­gen.

SAG-Facts­heet: Ori­en­tie­rungs­hil­fe

Die Schwei­zer Alli­anz Gen­tech­frei ver­zich­tet bewusst auf ver­schlei­ern­de, beschö­ni­gen­de Begrif­fe. Wo Gen­tech­nik drin ist, soll auch Gen­tech­nik drauf­ste­hen – so ihr Mot­to. Ein aktu­el­les Facts­heet der SAG zeigt, wie ver­brei­te­te Meta­phern rund um CRISPR & Co. funk­tio­nie­ren – und war­um sie pro­ble­ma­tisch sind.

Der Bericht erscheint zu einem poli­tisch bri­san­ten Zeit­punkt. In der Schweiz und in der EU wird der­zeit inten­siv über eine Dere­gu­lie­rung der neu­en gen­tech­ni­schen Ver­fah­ren dis­ku­tiert. Der Bun­des­rat hat einen Ent­wurf für ein Bun­des­ge­setz über Pflan­zen «aus neu­en Züch­tungs­tech­no­lo­gien» vor­ge­legt. Gera­de in die­sem lau­fen­den Gesetz­ge­bungs­pro­zess ist eine sach­li­che und trans­pa­ren­te Debat­te unver­zicht­bar. Denn eine infor­mier­te demo­kra­ti­sche Ent­schei­dung setzt vor­aus, dass nicht nur Chan­cen, son­dern auch Risi­ken sicht­bar sind – auch sprach­lich.

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