Die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich zeigt: Begriffe wie «Genschere» klingen harmlos – sind es aber nicht. Solche Metaphern suggerieren Präzision, Kontrolle und Einfachheit. Sie prägen die öffentliche Wahrnehmung und tragen dazu bei, die Risiken neuer gentechnischer Verfahren zu verharmlosen. Die EKAH fordert mehr Transparenz: Staatliche Kommunikation soll auf irreführende Begriffe verzichten. Dies gerade in Abstimmungsunterlagen und Vernehmlassungen, wie im aktuellen Gesetzgebungsprozess zum sogenannten «Züchtungstechnologiengesetz».
Der im April veröffentlichte EKAH-Bericht zeigt, wie stark Sprache die öffentliche Debatte beeinflusst. Während Begriffe wie «Genschere» oder «Genomeditierung» im wissenschaftlichen Kontext als neutrale Kurzformen dienen können, entfalten sie in der öffentlichen Kommunikation eine ganz andere Wirkung: Sie erzeugen Bilder von zielgenauen, fast mühelosen Eingriffen ins Erbgut – ein Eindruck, der mit der biologischen Realität wenig zu tun hat.
Denn diese ist deutlich komplexer. Eingriffe mit CRISPR können an unerwarteten Stellen im Genom Veränderungen hervorrufen. Der anschliessende Reparaturprozess ist kein kontrollierter technischer Vorgang, sondern ein fehleranfälliger, zellgesteuerter Prozess. Ungewollte Nebenwirkungen und Risiken gehören zur Gentechnik dazu – werden aber in der öffentlichen Darstellung oft ausgeblendet.
Beschönigende Metaphern irreführend
Der Bericht macht deutlich: Metaphern heben bestimmte Aspekte hervor und lassen andere in den Hintergrund treten. Was als verständliche Vereinfachung gedacht ist, kann aus dem wissenschaftlichen Kontext gerissen zur Verzerrung werden. Begriffe wie «Gen-Korrektur» oder «Cut and Paste» verlieren ausserhalb des Fachkontexts ihren metaphorischen Charakter und werden leicht wörtlich verstanden.
Gleichzeitig zeigt sich ein weiterer problematischer Trend: Neue Gentechnik wird zunehmend als natürliche und unausweichliche Entwicklung dargestellt. Die Entdeckung von CRISPR erschien in der öffentlichen Wahrnehmung als plötzlicher Durchbruch – obwohl die zugrunde liegenden Mechanismen bereits seit den 1980er-Jahren bekannt sind und erst über Jahrzehnte hinweg erforscht wurden. Diese Erzählung verstärkt den Eindruck, die Technologie sei alternativlos.
Mehr Transparenz in der Kommunikation
Die EKAH fordert deshalb mehr Transparenz in der Kommunikation – insbesondere durch staatliche Stellen. In Abstimmungsunterlagen und Vernehmlassungen sollen irreführende Begriffe vermieden oder zumindest erklärt werden. Metaphern seien zwar oft unverzichtbar, müssten aber reflektiert eingesetzt werden. Entscheidend sei, dass Bewertungen nicht durch sprachliche Bilder vorweggenommen werden, sondern offen und nachvollziehbar erfolgen.
SAG-Factsheet: Orientierungshilfe
Die Schweizer Allianz Gentechfrei verzichtet bewusst auf verschleiernde, beschönigende Begriffe. Wo Gentechnik drin ist, soll auch Gentechnik draufstehen – so ihr Motto. Ein aktuelles Factsheet der SAG zeigt, wie verbreitete Metaphern rund um CRISPR & Co. funktionieren – und warum sie problematisch sind.
Der Bericht erscheint zu einem politisch brisanten Zeitpunkt. In der Schweiz und in der EU wird derzeit intensiv über eine Deregulierung der neuen gentechnischen Verfahren diskutiert. Der Bundesrat hat einen Entwurf für ein Bundesgesetz über Pflanzen «aus neuen Züchtungstechnologien» vorgelegt. Gerade in diesem laufenden Gesetzgebungsprozess ist eine sachliche und transparente Debatte unverzichtbar. Denn eine informierte demokratische Entscheidung setzt voraus, dass nicht nur Chancen, sondern auch Risiken sichtbar sind – auch sprachlich.