Nicht eine zu strenge Regulierung ist das Problem: Weltweit werden weiterhin kaum Pflanzen aus neuer Gentechnik angebaut – insbesondere keine, die zur nachhaltigen Gestaltung der Landwirtschaft beitragen. Zu diesem Schluss kommt ein aktueller Bericht des Bundesamts für Umwelt (BAFU), der jährlich aktualisiert wird.
Derzeit werden weltweit nur drei solcher Pflanzen angebaut und vermarktet: zwei Maislinien des Unternehmens Corteva sowie eine Snacktomate aus Japan. Ein Blick in die Entwicklungspipelines zeigt zwar zahlreiche Projekte: Forschende sollen an 89 Pflanzen aus 31 Arten arbeiten. Doch obwohl solche Pflanzen in Ländern wie den USA, Kanada oder Brasilien seit Jahren ohne Zulassung angebaut werden könnten, erreichen nur wenige die Marktreife. Nachhaltigkeitseigenschaften sucht man dabei vergebens.
Die beiden vermarkteten Maissorten – beide von Corteva – produzieren unterschiedliche Insektizide und sind herbizidresistent. Eigenschaften, die nicht zur Reduktion, sondern eher zu einem erhöhten Pestizideinsatz beitragen und deshalb umstritten sind. Entwickelt wurden sie mithilfe einer Kombination aus klassischer Gentechnik und Genschere und werden in den USA und Kanada angebaut, eine davon auch in Argentinien. In die EU dürfen beide als Lebens- und Futtermittel importiert werden.
Die Snacktomate aus Japan weist einen erhöhten Gehalt an Gamma-Aminobuttersäure auf, was blutdrucksenkend und schlaffördernd wirken soll. Ihr Nutzen liegt damit eher im Premiumsegment als in der Nachhaltigkeit. Zugelassen ist sie etwa in Singapur und auf den Philippinen, wird jedoch bislang nicht vermarktet.
Von den 89 Pflanzen in Entwicklung sollen laut Herstellern rund 15 in den kommenden Jahren auf den Markt kommen. Darunter weitere herbizidresistente Reissorten (Cibus, BioHeuris), neue Maislinien von Corteva sowie eine krankheitsresistente Orange von Soilcea. Hinzu kommen Sojasorten mit höherem Ertrag (Inari) und mit Trockenheitstoleranz (GDM) – letztere als einzige Eigenschaft mit möglicher Klimarelevanz. Ergänzt wird die Liste durch eine nichtbräunende Banane, deren Nutzen für Konsument:innen fraglich bleibt.
Neu ist an dieser Liste wenig: Viele dieser Pflanzen tauchten bereits in früheren Berichten auf. Ein Vergleich zeigt, dass angekündigte Markteinführungen häufig nicht eingehalten werden. So prognostizierte Covercress (eine Tochter von Bayer/Bunge) die Einführung eines gentechnisch veränderten Ackerhellerkrauts für die Mitte des Jahrzehnts – tatsächlich befindet sich die Pflanze weiterhin in der Testphase.
Statt Fortschritt lässt sich vielmehr ein anderer Trend beobachten: Projekte verschwinden. Zahlreiche Pflanzen werden angekündigt, später jedoch stillschweigend eingestellt. So etwa ein entbitterter Senfblattsalat von Pairwise, der 2023 noch mit grossem Medientamtam angekündigt wurde. 2024 gab Pairwise das Geschäft an Bayer ab; vermarktet wird das Produkt bis heute nicht.
Ähnlich erging es dem Gentechleindotter von Yield10 Bioscience, der auf einen erhöhten Ölgehalt optimiert wurde. Nach Beginn des vorkommerziellen Anbaus im Jahr 2023 musste das Unternehmen Konkurs anmelden und wurde übernommen. Der neue Besitzer, der australische Saatgutkonzern Nufarm, will die Entwicklung zwar fortsetzen, nennt jedoch keinen Zeitplan für die Markteinführung.
Auch das deutsche Forschungsprojekt Pilton, das in der Schweiz wiederholt als Beispiel in Debatten zur neuen Gentechnik angeführt wurde, ist weitgehend in der Versenkung verschwunden. Ziel war die Entwicklung eines CRISPR-Winterweizens, der gleichzeitig und dauerhaft gegen mehrere Pilzkrankheiten resistent ist und so den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln deutlich reduzieren könnte.

Nach anfänglich intensiver Öffentlichkeitsarbeit mit Video-Updates und ambitionierten Zielsetzungen wurde es jedoch still. Konkrete Resultate wurden nie veröffentlicht, ein Abschlussbericht fehlt bis heute. Offiziell verweist die Branche auf den internen Nutzen der gewonnenen Erkenntnisse. Die ausbleibende Transparenz und das Schweigen zu züchterischen Erfolgen deuten jedoch darauf hin, dass die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Entsprechend vage bleiben auch die Aussichten: KWS erklärte lediglich, die Erkenntnisse würden in laufende Projekte einfliessen – konkrete Fortschritte oder eine absehbare Markteinführung eines solchen Weizens sind weiterhin nicht erkennbar.
Hürden auf dem Weg zur Marktreife – hohe Kosten, fehlende Partner, enttäuschende Feldergebnisse
Dass viele dieser Pflanzen trotz fehlender Zulassungshürden in den USA und Lateinamerika nicht auf den Markt kommen, hat mehrere Gründe: hohe Entwicklungskosten, fehlende Partner in der Saatgutindustrie und oft enttäuschende Feldversuche. Start-ups arbeiten meist mit Modellpflanzen. Um daraus marktfähige Sorten zu entwickeln, sind jedoch etablierte Saatgutunternehmen nötig, die ihre Hochleistunssorten für die gentechnische Transformation zur Verfügung stellen und die Entwicklung mitfinanzieren. Der Übergang vom Labor ins Feld erweist sich dabei häufig als kritischer Punkt.
Ein weiteres Hindernis ist das komplexe Patentumfeld rund um CRISPR/Cas. Um sich darin zurechtzufinden, braucht es kostspieliges Expertenwissen. Zusammen mit Lizenzgebühren verteuert dies die Entwicklung zusätzlich und kann Saatgut aus neuer Gentechnik wirtschaftlich unattraktiv machen.