Bild: Velichko AK, Wikimedia Commons

Neue Gentechnik stört die Organisation der DNA dauerhaft

Eine aktu­el­le Stu­die im Fach­jour­nal Sci­ence zeigt, dass neue Gen­tech­nik weit­rei­chen­de, unbe­ab­sich­tig­te Aus­wir­kun­gen auf die Gen­funk­ti­on haben kann – selbst wenn die DNA nach dem Schnitt mit der Gen­sche­re kor­rekt repa­riert wur­de.

CRISPR/Cas wirkt, indem es DNA-Dop­pel­strang­brü­che erzeugt, die anschlies­send von der Zel­le repa­riert wer­den. Doch die drei­di­men­sio­na­le Orga­ni­sa­ti­on der DNA (Chro­ma­tin), die ent­schei­dend für die Gen­ak­ti­vi­tät ist, wird nach der Repa­ra­tur nicht voll­stän­dig wie­der­her­ge­stellt und bleibt auf Dau­er feh­ler­haft. Dadurch wer­den vie­le Gene falsch ein- oder aus­ge­schal­tet.

Die­ser Effekt — vom For­schungs­team als „chro­ma­tin fati­gue“ bezeich­net – ist eine epi­ge­ne­ti­sche Kon­se­quenz des gen­tech­ni­schen Ein­grif­fes: Nicht die DNA-Sequenz selbst wird ver­än­dert, son­dern die Art und Wei­se, wie Gene genutzt wer­den. Bri­sant: Die so ent­stan­de­nen Ver­än­de­run­gen kön­nen an die Toch­ter­zel­len ver­erbt wer­den, was zu lang­fri­sti­gen Fol­gen füh­ren kann.

Wird die Struk­tur der Chro­ma­tin-Domä­ne, in der sich ein Ziel-Gen befin­det, durch den gen­tech­ni­schen Pro­zess gestört, kön­nen bestimm­te Gene unge­wollt akti­viert oder abge­schal­tet wer­den. Dadurch gehen die häu­fig beton­te Prä­zi­si­on und Vor­her­sag­bar­keit ver­lo­ren: Selbst, wenn der durch den gen­tech­ni­schen Ein­griff ver­ur­sach­te DNA-Dop­pel­strang­bruch schein­bar erfolg­reich repa­riert wird, blei­ben die Ergeb­nis­se des Ein­grif­fes unvor­her­seh­bar.

Wei­ter­ga­be unbe­ab­sich­tig­ter epi­ge­ne­ti­schen Ver­än­de­run­gen an Nach­fol­gen

Ver­bes­ser­te Prä­zi­si­on oder ziel­ge­naue­re Werk­zeu­ge kön­nen Chro­ma­tin fati­gue nicht ver­hin­dern, da die­se erst bei der Repa­ra­tur der DNA nach dem von der Gen­sche­re ver­ur­sach­ten «Schnitt» ent­steht. Die Stu­die zeigt, dass selbst schein­bar prä­zi­se Ver­än­de­run­gen vie­le Gene unvor­her­seh­bar beein­flus­sen kön­nen.

So könn­ten bei Pflan­zen aus neu­er Gen­tech­nik etwa Stoff­wech­sel­pro­zes­se, Toxin- oder Aller­gen­wer­te oder ande­re Eigen­schaf­ten unbe­ab­sich­tigt ver­än­dert und die Ver­än­de­run­gen über Gene­ra­tio­nen wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Bei Tie­ren könn­ten Fehl­bil­dun­gen, Krebs oder ande­re phy­sio­lo­gi­sche Pro­ble­me die Fol­ge sein.

Fol­gen für Regu­lie­rung und Sicher­heit

Die Ergeb­nis­se stel­len aktu­el­le Plä­ne zur Dere­gu­lie­rung der Neu­en Gen­tech­nik, wie dies in der EU geplant wird, infra­ge. Auch klei­ne, geziel­te Ver­än­de­run­gen kön­nen zahl­rei­che Gene unbe­ab­sich­tigt stö­ren, indem die epi­ge­ne­ti­sche Steue­rung der Gen­funk­ti­on mit­ver­än­dert wird. Nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf Öko­lo­gie und Gesund­heit sind nicht aus­zu­schlies­sen. Des­halb sind gründ­li­che mole­ku­la­re Unter­su­chun­gen uner­läss­lich, bevor sol­che Pro­duk­te auf den Markt kom­men: Unter ande­ren muss über­prüft wer­den, wel­che Gene aktiv sind (Tran­skriptom), wel­che Pro­te­ine gebil­det wer­den (Pro­teom) und wel­che che­mi­schen Stof­fe im Orga­nis­mus ent­ste­hen (Meta­bo­lom).

Die Stu­die unter­streicht, dass die neue Gen­tech­nik Risi­ken mit sich bringt, die noch nicht genü­gend erforscht sind. Stren­ge Risi­ko­prü­fun­gen blei­ben daher wei­ter­hin nötig.

Aktuelle Beiträge zum Thema

Medienmitteilung: Lebensmittelschutz-Initiative eingereicht

Bericht: Dialog zur Koexistenz mit neuer Gentechnik in der Landwirtschaft

Ablenkung statt Vorsorge – Risiken ignoriert

EU-Deregulierung der neuen Gentechnik geht in die letzte Runde

Ich mach mit:

Saatgut und Lebensmittel aus neuer Gentechnik könnten bald ohne Kennzeichnung und Risikoprüfung verkauft werden. Was halten Sie davon?

Damit wir wissen, was auf unseren Tellern landet, sammeln wir Stimmen aus der Praxis.

So geht's:

  1. Laden Sie den passenden Fragebogen herunter.
  2. Beantworten Sie 1-3 Fragen.
  3. Senden Sie uns Ihre Antworten, den Namen Ihres Betriebs und ein hochauflösendes Foto per Email an info@gentechfrei.ch.

 

Kurzumfrage für Akteur:innen aus den Bereichen:

 

Alternativ können Sie die Fragen als Word-Dokument anfordern: info@gentechfrei.ch.


Wir veröffentlichen Ihre Einsendung auf unserer Kampagnenseite und teilen sie in den sozialen Medien. Helfen Sie uns, Transparenz, Wahlfreiheit und Nachhaltigkeit zu sichern! Danke für Ihre Unterstützung.

Fragen?
E-Mail an info@gentechfrei.ch oder 044 262 25 76.

Veranstaltung:

Zürich isst! Sichern Sie sich Ihr Ticket für unsere Filmvorführungen mit anschliessenden Podien!

Im September 2015 steht ganz Zürich im Zeichen von Ernährung, Umwelt und Genuss. «Zürich isst» bietet der Bevölkerung mit vielfältigen Veranstaltungen die Gelegenheit, sich mit Fragen einer nachhaltigen Ernährung auseinanderzusetzen. Zum Programm: www.zuerich-isst.ch. DIE ZUKUNFT PFLANZEN – BIO FÜR 9 MILLIARDEN       
23. September 2015, 18 bis 21.30, Riffraff Kino Zürich