Bild: Wikimedia Commons

Mexiko: Gentechnik breitet sich aus – und gefährdet wilde Baumwolle

Ein­mal in die Umwelt frei­ge­setzt, kennt Gen­tech­nik kei­ne Gren­zen. Immer wie­der gibt es Fäl­le, in denen sich gen­tech­nisch ein­ge­brach­te Gene unge­wollt in der Natur ver­brei­ten. In Mexi­ko wur­den nun gen­tech­nisch ein­ge­brach­te Fremd­ge­ne in gros­sen Tei­len der dort wild wach­sen­den Baum­woll­po­pu­la­tio­nen nach­ge­wie­sen. Dies droht das wert­vol­le Reser­voir gene­ti­scher Viel­falt für die zukünf­ti­ge Züch­tung wei­ter zu ver­klei­nern. Zudem wur­den Aus­wir­kun­gen auf das gesam­te Öko­sy­stem beob­ach­tet. Eine Risi­ko­prü­fung, die auch mög­li­che Lang­zeit­fol­gen berück­sich­tigt, ist daher unab­ding­bar.

Wil­de Baum­wol­le gilt als Vor­fah­rin von rund 90 Pro­zent der welt­weit ange­bau­ten Baum­wol­le. Ihre Popu­la­tio­nen sind gene­tisch viel­fäl­tig und stel­len somit ein wich­ti­ges Reser­voir für die Züch­tung künf­ti­ger Sor­ten dar. Doch wie die Ergeb­nis­se einer umfas­sen­den Unter­su­chung natür­lich vor­kom­men­der Bestän­de auf der mexi­ka­ni­scher Halb­in­sel Yuca­tán zei­gen, ist die­se Viel­falt nun auch durch die Gen­tech­nik gefähr­det. Die im Juni auf dem Por­tal Sci­en­ce­Di­rect ver­öf­fent­lich­ten Stu­di­en­ergeb­nis­se zei­gen, dass ein gros­ser Teil die­ser natür­li­chen Popu­la­tio­nen bereits Gene aus gen­tech­nisch ver­än­der­ter Baum­wol­le auf­weist – obwohl in Yuca­tán nie Gen­tech­baum­wol­le ange­baut wur­de.

In 47 Pro­zent der unter­such­ten 72 Pflan­zen wur­de trans­ge­nes Erb­gut aus Gen­tech­baum­wol­le gefun­den. Dar­un­ter waren Gene, die den Pflan­zen eine Resi­stenz gegen das meist­ver­sprüh­te Her­bi­zid Gly­pho­sat ver­lei­hen, sowie sol­che, die sie zur Pro­duk­ti­on insek­ten­gif­ti­ger Bt-Toxi­ne befä­hi­gen. Bei­de Eigen­schaf­ten kamen auch kom­bi­niert vor.

Auswirkungen auf Insekten

Neben der Ein­engung der natür­lich vor­kom­men­den gene­ti­schen Viel­falt kann die Ver­brei­tung sol­cher gen­tech­nisch ein­ge­brach­ten Eigen­schaf­ten schwer­wie­gen­de Aus­wir­kun­gen auf Öko­sy­ste­me haben. So zeig­ten Unter­su­chun­gen des mexi­ka­ni­schen For­schungs­teams, dass Amei­sen­ar­ten, die übli­cher­wei­se auf wil­den Baum­woll­pflan­zen vor­kom­men, trans­ge­ne Pflan­zen mie­den. Auf die­sen Pflan­zen wur­den nicht nur weni­ger Amei­sen­ar­ten gefun­den, auch die Anzahl der Indi­vi­du­en inner­halb der ein­zel­nen Amei­sen­ar­ten war gerin­ger.

Das mag zunächst unbe­deu­tend wir­ken. Doch Amei­sen erfül­len wich­ti­ge öko­lo­gi­sche Funk­tio­nen: Sie hel­fen der Pflan­ze bei der Abwehr von Schäd­lin­gen und bei der Ver­brei­tung ihrer Samen. Die gen­tech­nisch ein­ge­brach­ten Gene könn­ten zudem zahl­rei­che wei­te­re Aus­wir­kun­gen auf Orga­nis­men inner­halb des­sel­ben Öko­sy­stems haben. In der aktu­el­len Stu­die wur­de dies zwar nicht unter­sucht, frü­he­re For­schun­gen zei­gen jedoch, dass sich bei­spiels­wei­se die Darm­flo­ra von Insek­ten ver­än­dern kann, wenn sie an insek­ten­gif­ti­gen Pflan­zen sau­gen. Das Pro­blem: Sol­che Fol­gen tre­ten oft erst nach län­ge­rer Zeit zuta­ge, und wer­den häu­fig erst erkannt, wenn sie kaum noch rück­gän­gig zu machen sind.

Verbreitung unkontrollierbar– Vorsorgeprinzip walten lassen

Samen oder Pol­len las­sen sich kaum räum­lich begren­zen. Die For­schen­den ver­mu­ten, dass keim­fä­hi­ges Saat­gut durch Vögel ein­ge­schleppt wur­de oder dass als Vieh­fut­ter ver­wen­de­te Samen von Tie­ren noch keim­fä­hig aus­ge­schie­den wur­den.

Neu ist die Pro­ble­ma­tik nicht: Bereits 2011 wur­den erst­mals wil­de Baum­woll­pflan­zen mit gen­tech­ni­schen Ver­än­de­run­gen nach­ge­wie­sen. Auch bei ande­ren Arten wie Raps oder Rüb­sen ist die unge­woll­te Wei­ter­ga­be gen­tech­ni­scher Eigen­schaf­ten bekannt, eben­so wie mög­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Umwelt.

Umso wich­ti­ger ist es, am Vor­sor­ge­prin­zip fest­zu­hal­ten und gen­tech­nisch ver­än­der­te Pflan­zen – auch sol­che aus neu­er Gen­tech­nik – einer gründ­li­chen Risi­ko­prü­fung zu unter­zie­hen. Nur so las­sen sich mög­li­che Lang­zeit­fol­gen für Öko­sy­ste­me früh­zei­tig erken­nen und ver­mei­den. Gera­de in Zei­ten der Kli­ma­kri­se ist es pro­ble­ma­tisch, die gene­ti­sche Viel­falt – eine wich­ti­ge Grund­la­ge für die Züch­tung anpas­sungs­fä­hi­ger Sor­ten und damit auch für die Ernäh­rungs­si­cher­heit – zusätz­lich zu gefähr­den.

Auch das mexi­ka­ni­sche For­schungs­team kommt zum Schluss, dass die Rah­men­be­din­gun­gen für die Bio­si­cher­heit und für die Bewer­tung mög­li­cher Umwelt­schä­den drin­gend aktua­li­siert wer­den müs­sen. Poten­zi­el­le öko­lo­gi­sche und evo­lu­tio­nä­re Fol­gen für Wild­po­pu­la­tio­nen müss­ten genau­er unter­sucht wer­den – etwa die Aus­wir­kun­gen gen­tech­nisch ein­ge­brach­ter Eigen­schaf­ten auf Nicht­ziel­or­ga­nis­men oder Ver­än­de­run­gen der gene­ti­schen Dyna­mik inner­halb der Popu­la­tio­nen.

Schweiz: Risikoprüfung statt Deregulierung!

In der Schweiz will der Bun­des­rat Pflan­zen aus neu­en gen­tech­ni­schen Ver­fah­ren in einem «Spe­zi­al­ge­setz» dere­gu­lie­ren. Ange­sichts der klein­räu­mig struk­tu­rier­ten Schwei­zer Land­wirt­schaft könn­te eine sol­che Dere­gu­lie­rung schnell schwer­wie­gen­de Fol­gen für natür­li­che Öko­sy­ste­me haben.

Wir appel­lie­ren des­halb an den Bun­des­rat, alle gen­tech­nisch ver­än­der­ten Pflan­zen einer umfas­sen­den Risi­ko­prü­fung zu unter­zie­hen und dabei auch mög­li­che lang­fri­sti­ge Aus­wir­kun­gen auf Öko­sy­ste­me und die gene­ti­sche Viel­falt zu berück­sich­ti­gen.

Weitere Quellen:

Aktuelle Beiträge zum Thema

USA: Gentechkastanie vor der Freisetzung – Warnsignal für den Naturschutz

Medienmitteilung: Deregulierung von Pflanzen aus neuer Gentechnik in der EU landet vor Gericht

Mitgliederanlass bei der Apfelzüchtung Poma Culta

16. Oktober, 2026

Medienmitteilung: Slowakei kündigt Klage gegen Deregulierung von Gentechpflanzen in der EU an

Ich mach mit:

Saatgut und Lebensmittel aus neuer Gentechnik könnten bald ohne Kennzeichnung und Risikoprüfung verkauft werden. Was halten Sie davon?

Damit wir wissen, was auf unseren Tellern landet, sammeln wir Stimmen aus der Praxis.

So geht's:

  1. Laden Sie den passenden Fragebogen herunter.
  2. Beantworten Sie 1-3 Fragen.
  3. Senden Sie uns Ihre Antworten, den Namen Ihres Betriebs und ein hochauflösendes Foto per Email an info@gentechfrei.ch.

 

Kurzumfrage für Akteur:innen aus den Bereichen:

 

Alternativ können Sie die Fragen als Word-Dokument anfordern: info@gentechfrei.ch.


Wir veröffentlichen Ihre Einsendung auf unserer Kampagnenseite und teilen sie in den sozialen Medien. Helfen Sie uns, Transparenz, Wahlfreiheit und Nachhaltigkeit zu sichern! Danke für Ihre Unterstützung.

Fragen?
E-Mail an info@gentechfrei.ch oder 044 262 25 76.

Veranstaltung:

Zürich isst! Sichern Sie sich Ihr Ticket für unsere Filmvorführungen mit anschliessenden Podien!

Im September 2015 steht ganz Zürich im Zeichen von Ernährung, Umwelt und Genuss. «Zürich isst» bietet der Bevölkerung mit vielfältigen Veranstaltungen die Gelegenheit, sich mit Fragen einer nachhaltigen Ernährung auseinanderzusetzen. Zum Programm: www.zuerich-isst.ch. DIE ZUKUNFT PFLANZEN – BIO FÜR 9 MILLIARDEN       
23. September 2015, 18 bis 21.30, Riffraff Kino Zürich