Gene Drives - unaufhaltbare Kettenreaktionen mit potenziell schwerwiegenden Folgen für das ganze Ökosystem. Bild: Balaram Mahalder, Wikimedia Commons
Gene Drives - unaufhaltbare Kettenreaktionen mit potenziell schwerwiegenden Folgen für das ganze Ökosystem. Bild: Balaram Mahalder, Wikimedia Commons

Technologieaffine Haltung der Industrie prägt IUCN-Bericht über synthetische Biologie

Die Welt­na­tur­schutz­uni­on IUCN hat im Mai 2019 einen Bericht zur Beur­tei­lung der syn­the­ti­schen Bio­lo­gie ver­öf­fent­licht. Nun kri­ti­sie­ren Exper­ten inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen in einem offe­nen Brief an den IUCN-Rat die feh­len­de Berück­sich­ti­gung kri­ti­scher Stim­men. Unter den vie­len Unter­zeich­nen­den befin­det sich auch die SAG.

Die Fol­gen der gen­tech­ni­schen Mani­pu­la­ti­on von Wild­ar­ten und deren Frei­set­zung in die Umwelt sind unvor­her­seh­bar und mög­li­cher­wei­se irrever­si­bel. Des­halb wäre eine aus­ge­wo­ge­ne Debat­te über die­ses wich­ti­ge, aber umstrit­te­ne The­ma von gros­ser Bedeu­tung. Der Bericht, mit des­sen Erstel­lung die IUCN eine Exper­ten­grup­pe beauf­tragt hat, hät­te dem Ziel die­nen sol­len, eine sol­che Debat­te zu ermög­li­chen und die Infor­ma­ti­ons­ba­sis für die kom­men­den poli­ti­schen Dis­kus­sio­nen zu lie­fern. Denn auf dem Welt­na­tur­schutz­kon­gress der IUCN im Juni 2020 wird über die neue Poli­tik der Orga­ni­sa­ti­on zum Umwelt­schutz und zur syn­the­ti­schen Bio­lo­gie abge­stimmt.

Über­ra­schen­der­wei­se spricht sich der Bericht nicht nur nach­drück­lich für den inter­dis­zi­pli­nä­ren For­schungs­zweig der Life Sci­en­ces aus, son­dern auch für Gene-Dri­ve-Orga­nis­men. Letz­te­re sind beson­ders pro­ble­ma­tisch, weil sie so kon­zi­piert wur­den, dass sie sich in der frei­en Wild­bahn ver­brei­ten und dazu fähig sind, Arten zu ver­än­dern oder sogar aus­zu­rot­ten. Da zur­zeit kein wirk­sa­mer Kon­troll­me­cha­nis­mus exi­stiert, der die­sen Pro­zess ein­schrän­ken oder stop­pen könn­te, han­delt es sich bei Gene Dri­ves um unauf­halt­ba­re Ket­ten­re­ak­tio­nen mit poten­ti­ell schwer­wie­gen­den Fol­gen für das gan­ze Öko­sy­stem.

Um die uner­war­te­te Posi­tio­nie­rung der welt­weit gröss­ten zu ergrün­den, hat die gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­ti­on ETC-Group (Action Group on Ero­si­on, Tech­no­lo­gy and Con­cen­tra­ti­on) die Autoren des Berichts durch­leuch­tet. Sie fand ein extre­mes Ungleich­ge­wicht in der Zusam­men­set­zung des Exper­ten­teams. Bei mehr als der Hälf­te der 40 Per­so­nen, die an der Ver­fas­sung des Berichts betei­ligt waren, konn­te ein Inter­es­sen­kon­flikt fest­ge­stellt wer­den. Dem­ge­gen­über hat die IUCN kei­nen ein­zi­gen Exper­ten mit tech­no­lo­gie­kri­ti­schem Hin­ter­grund ein­ge­stellt.

Das Exper­ten­team ist von drei Inter­es­sen­grup­pen der Pro-Sei­te unver­hält­nis­mäs­sig geprägt. Die Pro­jek­te Revi­ve and Resto­re, Tar­get Mala­ria und Gene­tic Bio­con­trol Inva­si­ve Rodents (GBIRd) inve­stie­ren Mil­lio­nen von Dol­lars in die syn­the­ti­sche Bio­lo­gie, ins­be­son­de­re in die Ent­wick­lung und den Ein­satz von Gene-Dri­ve-Orga­nis­men. Min­de­stens 15 Autoren konn­ten mit die­sen Pro­jek­ten in Ver­bin­dung gebracht wer­den, dar­un­ter auch der Vor­sit­zen­de der Arbeits­grup­pe, Kent Red­ford. Wie Red­ford, der sei­ne Tätig­keit als Bera­ter bei Dupont und Revi­ve und Resto­re nicht dekla­riert hat, haben es meh­re­re wei­te­re Mit­glie­der der Exper­ten­grup­pe ver­säumt, rele­van­te Infor­ma­tio­nen offen­zu­le­gen, die als poten­zi­el­ler Inter­es­sen­kon­flikt hät­te wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen.

Kommt hin­zu, dass 12 Mit­glie­der, inklu­si­ve Kent Red­ford, aktiv an einer Akti­on der Emer­ging Ag Inc. betei­ligt waren. Die­se hat­te im Gehei­men ver­sucht, das Online Open Forum der UN Bio­di­ver­si­täts­kon­ven­ti­on zur Syn­the­ti­schen Bio­lo­gie zu beein­flus­sen. Emer­ging Ag Inc. ist ein PR-Unter­neh­men, das die Agrar­in­du­strie unter­stützt und von ihr finan­ziert wird.

Die Unter­zeich­nen­den des offe­nen Brie­fes schla­gen dem IUCN Rat vor, einen gleich­wer­ti­gen Bericht von Exper­ten erstel­len zu las­sen, die sich für einen Vor­sor­ge­an­satz ein­set­zen und das The­ma syn­the­ti­sche Bio­lo­gie kri­tisch beob­ach­ten. Dies sei uner­läss­lich, denn nur so kön­ne über die zukünf­ti­ge Poli­tik der Orga­ni­sa­ti­on wei­ter­dis­ku­tiert wer­den.

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