Die Slowakei hat offiziell Klage gegen die EU-Deregulierung von Pflanzen aus neuer Gentechnik eingereicht. (Quelle: Ian Brown, Wikimedia Commons)

Medienmitteilung: Deregulierung von Pflanzen aus neuer Gentechnik in der EU landet vor Gericht

Zürich, 23. Sep­tem­ber 2026 – Heu­te wur­de bekannt, dass die Slo­wa­kei als Mit­glieds­staat der EU recht­lich gegen die Ver­ord­nung über Pflan­zen aus neu­er Gen­tech­nik vor­geht und Kla­ge beim Euro­päi­schen Gerichts­hof ein­ge­reicht hat. Die weit­rei­chen­de Dere­gu­lie­rung sol­cher Pflan­zen wird folg­lich auf ihre Recht­mäs­sig­keit geprüft. Rechts­gut­ach­ten zei­gen mög­li­che Kon­flik­te mit dem Vor­sor­ge­prin­zip, Ver­brau­cher­rech­ten und inter­na­tio­na­len Abkom­men auf. Auch die Arbeits­ge­mein­schaft bäu­er­li­che Land­wirt­schaft (AbL) e.V. hat in einem brei­ten Kla­ge-Bünd­nis Direkt­kla­ge gegen die Ver­ord­nung ein­ge­reicht. Die Schwei­zer Alli­anz Gen­tech­frei (SAG) begrüsst es, dass die Recht­mäs­sig­keit der Ver­ord­nung vor Gericht geprüft wird, und for­dert Bun­des­rat und Par­la­ment auf, in der Schweiz die Wahl­frei­heit und die gen­tech­nik­freie Land­wirt­schaft zu schüt­zen.

Zivil­be­völ­ke­rung lehnt Gen­tech­nik ab

Am 17. Juni 2026 hat das EU-Par­la­ment als letz­te Instanz einer neu­en Ver­ord­nung zuge­stimmt, die eine weit­rei­chen­de Dere­gu­lie­rung von Pflan­zen aus neu­er Gen­tech­nik zur Fol­ge hät­te. «Es ist fahr­läs­sig, die gros­se Mehr­heit von Pflan­zen aus neu­er Gen­tech­nik ohne Risi­ko­prü­fung, ohne Regeln für das Neben­ein­an­der im Feld und ohne Kenn­zeich­nung der Lebens­mit­tel zuzu­las­sen», hält Mari­on­na Schlat­ter Natio­nal­rä­tin und Prä­si­den­tin der Schwei­zer Alli­anz Gen­tech­frei fest.

Die Slo­wa­kei hat die Vor­la­ge seit Beginn der Debat­ten in der EU abge­lehnt. Der Ent­scheid stiess im Land des­halb auf viel Gegen­wind. «Ich begrüs­se, dass sich die Slo­wa­kei für die Anlie­gen der Zivil­be­völ­ke­rung ein­setzt und Kla­ge gegen den weit­rei­chen­den EU-Ent­scheid ein­ge­reicht hat», sagt Mari­on­na Schlat­ter.

Kla­ge hat gute Chan­cen

Ein Recht­gut­ach­ten der renom­mier­ten Ber­li­ner Anwalts­kanz­lei GGSC kommt zum Schluss, dass die Ver­ord­nung gegen das Vor­sor­ge­prin­zip ver­stos­se und eine Kla­ge vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof gute Erfolgs­aus­sich­ten hät­te. Das Vor­sor­ge­prin­zip ist eine zen­tra­le Grund­la­ge des Umwelt­rechts – sowohl in der EU als auch in der Schweiz. Es besagt, dass eine Tech­no­lo­gie nicht ein­ge­setzt wer­den soll, wenn sie Schä­den für die Umwelt ver­ur­sa­chen könn­te oder wis­sen­schaft­li­che Unsi­cher­heit über ihre mög­li­chen Fol­gen besteht.

«Mit der EU-Dere­gu­lie­rung wur­de das Vor­sor­ge­prin­zip fak­tisch aus­ge­he­belt. Das macht die Ver­ord­nung vor dem Euro­päi­schen Gerichts­hof angreif­bar», fasst Mari­on­na Schlat­ter zusam­men. «Jeder gen­tech­ni­sche Ein­griff kann unbe­ab­sich­tig­te Neben­ef­fek­te haben. Des­halb muss jeder Fall ein­zeln geprüft wer­den.»

Debat­te in der Schweiz steht bevor

Der Bun­des­rat hat in sei­ner Ant­wort auf die Inter­pel­la­ti­on 26.3751 von Stän­de­rat Peter Hegglin ange­kün­digt, dem Par­la­ment in der zwei­ten Hälf­te des Jah­res 2027 einen neu­en Geset­zes­vor­schlag vor­zu­le­gen. Dabei sol­len «kei­ne Wett­be­werbs­nach­tei­le» für die Schweiz ent­ste­hen.

«Der Bun­des­rat ver­nach­läs­sigt in sei­nem Vor­ha­ben, dass sich die Schwei­zer Bevöl­ke­rung 2005 gegen Gen­tech­nik ent­schie­den hat und er ver­pflich­tet ist, die gen­tech­nik­freie Land­wirt­schaft zu schüt­zen», hält Clau­dia Vader­na, Geschäfts­lei­te­rin der Schwei­zer Alli­anz Gen­tech­frei, fest.

Die Schwei­zer Alli­anz Gen­tech­frei unter­stützt das gel­ten­de Gen­tech­nik­ge­setz mit Kenn­zeich­nungs­pflicht, Risi­ko­prü­fung und Koexi­stenz­re­geln. Sie for­dert, dass auch neue gen­tech­ni­sche Ver­fah­ren streng regu­liert wer­den. Um die­sen For­de­run­gen Nach­druck zu ver­lei­hen, hat sie einen Appell zum Schutz der Wahl­frei­heit und der gen­tech­nik­frei­en Land­wirt­schaft lan­ciert.

Link zum Appell

 

Wei­te­re Aus­künf­te:

  • Mari­on­na Schlat­ter, Prä­si­den­tin SAG und Natio­nal­rä­tin GRÜNE, E: schlatter@parl.ch, T: 077 475 25 02
  • Clau­dia Vader­na, Geschäfts­lei­te­rin SAG
    E: c.vaderna@gentechfrei.ch, T: 079 564 74 91

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