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Organismen, deren Erbanlagen mit Hilfe gentechnischer Verfahren verändert wurden, dürfen ohne eine Risikoanalyse nicht freigesetzt oder vermarktet werden. Bei der Beurteilung des Risikos müssen die zuständigen Behörden prüfen, ob die Organismen schädigend auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelt wirken könnten. Dabei gilt es zu bedenken, dass keine Risikoabschätzung objektiv sein kann sondern von subjektiven Werthaltungen und persönlichen Interessen abhängig ist. Zudem fliessen wichtige Aspekte wie Gesellschaft oder Ethik nicht in die Risikobeurteilung ein.

Seit rund zehn Jahren setzt sich eine aus Naturwissenschaftlerinnen, Bauern, Philosophinnen, Züchtern und Spezialistinnen aus anderen Bereichen zusammengesetzte Gruppe mit dem Wesen der Pflanze und ihren Rechten auseinander. Aus diesen Diskussionen sind die Rheinauer Thesen I zu Rechten von Pflanzen entstanden. Sie wurden im September 2008 am Fest «10001 Gemüse & Co.» in Rheinau vorgestellt. Im Juni 2011 folgten die Rheinauer Thesen II zur ökologischen Pflanzenzüchtung, in welchen unter anderem die Zelle als kleinste räumliche Grenze für Eingriffe definiert wurde (Eingriffe unterhalb der Zellebene sind nicht legitim). Diese Thesen wurden zu einer Art Verfassung für das Projekt zur Züchtung von Biosaatgut der Bio Suisse.

Externer Link: Rheinauer Thesen I

Externer Link: Rheinauer Thesen II

Resistenz heisst Widerstand. Gemeint ist die Widerstandsfähigkeit eines Lebewesens gegen Einflüsse der Umwelt, zum Beispiel gegen Krankheiten, aber auch Pestizide. Überall auf der Welt werden Pflanzen und Insekten immun gegen starke Pestizide. Die Bt-Baumwolle ist gentechnisch so verändert, dass sie permanent ein Gift gegen ihre Frassfeinde absondert. Doch einige von ihnen haben sich an das Gift gewöhnt und sind nun immun dagegen. Bedenklich ist die Antibiotikaresistenz. So sind viele Bakterien nicht nur resistent gegen viele Umwelttoxine, sondern auch gegen die meisten Antibiotika. Das liegt unter anderem daran, dass das Arzneimittel zu oft und zu leichtfertig (zum Beispiel in der Tiermast) eingesetzt werden; die Bakterien, die gefährliche Entzündungen auslösen, konnten sich an das Antibiotikum so anpassen, dass es ihnen nichts mehr anhaben kann.

Um die Rechte der Bauern und ihre Lebensgrundlage besser zu schützen, versucht eine Arbeitsgruppe des UNO-Menschenrechtsrats seit fünf Jahren eine entsprechende UNO-Deklaration zu verankern. Diese soll weltweit Bäuerinnen und Bauern den Zugang zu Land, Wasser, Saatgut und anderen Ressourcen sichern und sie gewährt den Bäuerinnen und Bauern das Recht, selbstgewonnenes Saatgut aufzubewahren, zu tauschen, weiterzugeben, zu verkaufen und zu gebrauchen. Die Erklärung will auch Staaten dazu verpflichten, die bäuerlichen Saatgutsysteme zu achten, zu schützen und zu unterstützen. Doch das Zustandekommen einer gemeinsamen Deklaration ist bis heute vor allem am Widerstand der Industrieländern gescheitert.