Inverkehrbringen

 

Bild_Inverkehrbringen
Bild: Photo by Keith Weller, www.ars.usda.gov

Nach heutigem Stand der wissenschaftlichen Kenntnisse können beim Inverkehrbringen von gentechnisch veränderten Organismen Risiken für die Umwelt nicht ausgeschlossen werden. Sichere Prognosen, kalkulierte Eintrittswahrscheinlichkeiten von unerwünschten Risiken und berechenbare Schadensausmasse sind beim Anbau in der Landwirtschaft nicht möglich. Erfahrungen aus Ländern, in denen gentechnisch veränderte Pflanzen grossflächig angebaut werden, belegen erste Schadensfälle.

Mit der Annahme der Gentechfrei-Initiative am 27. November 2005 wurde in der Schweiz das Inverkehrbringen von gentechnisch veränderten Organismen in der Landwirtschaft mit einem 5-jährigen Moratorium belegt. Der Bundesrat und das Parlament haben das Moratorium um 3 Jahre verlängert. Damit dürfen bis Ende November 2013 keine Bewilligungen für das Inverkehrbringen von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Schweizer Landwirtschaft erteilt werden. Der Geltungsbereich des Moratoriums umfasst Pflanzen, Pflanzenteile und Saatgut, welche für den kommerziellen Anbau zur landwirtschaftlichen, gartenbaulichen und forstwirtschaftlichen Nutzung bestimmt sind.

In der Schweiz gibt es bis heute keine Anträge zum Inverkehrbringen gentechnisch veränderter Produkte in der Landwirtschaft.

Auch in Europa ist der Anbau von GVO in der EU marginal: Es ist nur eine einzige Gentech-Maissorte zugelassen (MON810-Mais). Der Anbau von MON810 beträgt lediglich 0.8% der Gesamt-Maisanbaufläche in der EU27. Die Anbauflächen sind zudem rückläufig: 2009 im Vergleich zu 2008: 20% weniger Anbau. Im Frühjahr 2010 wurde die Gentech-Kartoffel Amflora in der EU zugelassen, die ausschliesslich der Produktion von Industriestärke dient. Deren Anbau war sehr beschränkt: Nur gerade in Tschechien (150 ha) wurde die Ernte in einer Stärkefabrik verarbeitet, in Schweden (80 ha) und Deutschland (15 ha) sollten Kartoffeln für die Folgejahre erzeugt werden. Doch schon nach zwei Jahren gab BASF die weitere Vermarktung auf.

Der erste kommerzielle Anbau von Gentech-Pflanzen fand 1996 in den USA statt. Seither ist die Anbaufläche auf 160 Millionen Hektar im Jahr 2011 angestiegen. Dies sind nur gerade etwa 4% der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die Steigerungsrate der Anbaufläche mit Gentech-Pflanzen von 2007 auf 2008 betrug lediglich 0,2%. In Europa blieb der Gentech-Anbau 2011 gerade einmal bei einem Anteil von 0,1% der gesamten Anbaufläche und beschränkt sich hauptsächlich auf Spanien und Portugal.

April 2012

Polen hat ein offizielles Verbot für den Anbau von MON810 Mais angekündigt. Der Gentechnik-Mais soll wegen Gesundheitsgefährdung untersagt werden.

Mai 2012

Der St. Galler CVP-Nationalrat Markus Ritter reichte im Februar 2012 eine Motion für die weitere Verlängerung des Gentech-Moratoriums nach 2013 mit 121 Unterschriften von Nationalrätinnen und Nationalräten aus allen Fraktionen ein. Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion Ritter. Er hält eine angemessene Verlängerung des Moratoriums für gerechtfertigt, sofern dies dem Parlament die Gelegenheit gibt, die im Rahmen des NFP 59 formulierten Vorschläge vertieft zu prüfen und die Regelungen über die Koexistenz und über die GVO-freien Gebiete auf Gesetzesebene entsprechend zu ergänzen.

Februar 2012

Frankreich hatte bereits im Jahr 2008 den Anbau von MON810-Mais verboten und sich auf die so genannte «Schutzklausel» in der EU-Freisetzungsrichtlinie berufen. Im September 2011 hat der Europäische Gerichtshof EuGH entschieden, dass Mitgliedsstaaten nur dann die Schutzklausel anrufen können, wenn ein erhebliches Risiko bestehen kann, das offensichtlich die Gesundheit von Mensch und Tier oder die Umwelt gefährdet. Laut der Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet gibt es neue wissenschaftliche Untersuchungen, die auf signifikante Umweltrisiken hindeuten.

Februar 2012

Der Industrie-nahe «International Service for the Acquisition of Agri-biotech Applications (ISAAA)» hat die weltweiten Anbauflächen von Gentech-Pflanzen im Jahr 2011 publiziert. In Europa gibt es kaum einen Gentech-Anbau, weltweit sind die Anbauflächen weiter steigend und betragen nun 160 Millionen Hektar. Der Grossteil des Anbaus findet nach wie vor nur in wenigen Ländern statt (wie USA, Brasilien oder Argentinien).

November 2011

20 Umwelt- und Konsumentenschutzorganisationen aus Asien, Afrika, Amerika, Australien und Europa haben eine gemeinsame Studie veröffentlicht, in der die falschen Versprechungen der Agro-Gentechnik-Industrie und die dazugehörigen Fehlentwicklungen aufgezeigt werden.

März 2010

Das Parlament beschliesst ein Moratoriumsverlängerung um 3 Jahre bis Ende November 2013. Bis dann will der Bundesrat die Koexistenz mit einer Revision des Gentechnikgesetzes und der Verabschiedung einer Koexistenzverordnung regeln. Die Verordnung wird aber erst nach Ablauf des Moratoriums in Kraft treten.

Juli 2009

Der Bundesrat will das Anbauverbot für gentechnisch veränderte Pflanzen, das 2005 per Volksentscheid für 5 Jahre verabschiedet wurde, um weitere drei Jahre bis November 2013 verlängern.

November 2005

Die Gentechfrei-Initiative (Eidgenössische Volksinitiative für Lebensmittel aus gentechnikfreier Landwirtschaft) wurde am 27. November 2005 von 56 Prozent der Stimmenden und allen Kantonen angenommen.

09.01.2014 | Inverkehrbringen

140109herbizid bearbeitet-1

Der Einsatz von Herbiziden in der Landwirtschaft nimmt unvermindert zu. Bild: iangenis

Anfang Jahr hat das us-amerikanische Landwirtschaftsministerium die Weichen für die Zulassung neuer gentechnisch veränderter Mais- und Sojapflanzen gestellt. Die Pflanzen der Firma Dow Agroservices sind resistent gegen das Unkrautvernichtungsmittel 2,4-D.  Der gleiche Wirkstoff wurde während des Vietnamkrieges beim Entlaubungsmittel Agent Orange eingesetzt. Er ist hochgiftig und wird mit Krebs und Parkinson in Verbindung gebracht. Das unabhängige Center for Food Safety befürchtet einen massiven Anstieg bei der Verbrauchsmenge des Herbizids, dabei seien die Folgen eines zunehmendem Einsatzes des hochgiftigen Unkrautvernichtungsmittels von den Behörden nicht genügend abgeklärt worden.

16116rages
Unabhängige Wissenschaftler starten internationales Forschungsprojekt zu Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen. Bild: Fotolia

Mit einem Workshop in Zürich startete ein neues Forschungsprojekt zu den Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen. „RAGES“ ist unabhängig von den Interessen der Gentechnik-Industrie. Die Experten, die aus dem Bereich öffentlicher Forschung und der Zivilgesellschaft kommen, stimmen darin überein, dass die gegenwärtige europäische Praxis der Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen nicht ausreicht, um den Schutz von Mensch und Umwelt zu gewährleisten. „Die derzeitige Praxis der Zulassungsprüfung in Europa berücksichtigt die tatsächliche Dimension der Risiken nicht, die mit dem Anbau transgener Pflanzen einhergehen. Es ist kein Geheimnis, dass diese Standards ganz wesentlich von der Industrie beeinflusst wurden. Wir müssen das System besser ausbalancieren und dem Schutz von Mensch und Umwelt ein größeres Gewicht geben“, sagt Christoph für Testbiotech.

9.2.2011 | Inverkehrbringen

bild_kartoffelfeld
Bild: Kartoffelfeld. www.biosicherheit.de

Der Anbau der Industriekartoffel Amflora der Firma BASF Plant Science dient im Jahre 2011 ausschliesslich der Pflanzgutvermehrung für die Folgejahre. Eine industrielle Verwertung der Stärke ist nicht mehr vorgesehen. In Deutschland wird die Anbaufläche lediglich noch 2 Hektar betragen, in Schweden geht die Amflora-Fläche von 80 auf 15 Hektar zurück und in Tschechien wird 2011 ganz auf einen Anbau verzichtet.

externer Link: Transgen.de
externer Link: GeN
externer Link: Informationsdienst Gentechnik: Hintergrund Gen-Kartoffel

20.02.2014 | Inverkehrbringen

140220oestereich

Landwirtschaft und Konsumenten sind sich beim Thema
 Gentechnik einig: kein Anbau von
GVO-Pflanzen auf österreichischen Äckern. Bild: Greenpeace/Tschann

Österreich wird den Anbau von Gentech-Pflanzen verbieten, sollte die EU-Kommission den Anbau des umstrittenen Gentech-Mais 1507 zulassen. Es gebe einen 
breitestmöglichen politischen und gesellschaftlichen Konsens, dass Österreich 100% gentechnikfrei im Anbau bleiben soll,
 bekräftigt der Bauernbund-Präsident Jakob Auer. Auch der österreichische Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter bestätigt, der Erhalt eines gentechikfreien Anbaus sei weiterhin das erklärte Ziel der österreichischen Regierung. Weder die Landwirtschaft noch die Verbraucher sähen in den derzeitigen Anwendungen der Gentechnik einen Nutzen. Österreich werde sich auf EU-Ebene für ein Selbstbestimmungsrecht der Mitgliedstaaten für einen gentechnikfreien Anbau einsetzen.

7.4.2010 | Inverkehrbringen

Bild_Verbot_Amflora
Bild: Versuchsfeld mit Kartoffeln.
Björn Lohmann/www.biosicherheit.de

Die EU-Kommission hatte anfangs Februar 2010 die Industrie-Gentech-Kartoffel Amflora der Firma BASF für die Stärkeproduktion zum Anbau zugelassen. Nachdem das österreichische Parlament einstimmig einen Anbau-Stopp empfohlen hatte, hat nun der Gesundheitsminister für die Gentech-Kartoffel «Amflora» ein nationales Anbauverbot in Österreich erlassen. Laut einem von Greenpeace in Auftrag gegeben Rechtsgutachten hat im Zweifel laut der geltenden Rechtssprechung der Schutz von Mensch und Umwelt mehr Gewicht als wirtschaftliche Interessen. Wissenschaftlichen Bedenken wegen des Antibiotika-Resistenz-Gens in der Kartoffel sowie eine fehlerhafte Umweltverträglichkeitsprüfung würde eine Anwendung des Vorsorgeprinzips erfordern.

externer Link: Salzburger Nachrichten
externer Link: Rechtsgutachten Greenpeace