Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat Anfang Mai seine Bewilligung zum Freisetzungsversuch von Agroscope mit cisgenen Apfelbäumen unter Auflagen erteilt. Für die SAG sind die Risikovorkehrungen auf der Versuchsanlage trotz der Verfügung des BAFUs, die Blüten zu entfernen, ungenügend. Der Aussagewert der Versuche dürfte zu dem nahezu Null sein. Durch die Amputation der Blüten geschieht eine massive Verletzung und ein radikaler Eingriff in den Stoffwechsel der Pflanze, was eine Vielzahl von Gegenreaktionen auslöst und den Ausgangswert stark beeinträchtigt. (SAG, 3.5.16)

 


Quelle: SAG, 3. Mai 2016
http://gentechfrei.ch/themen/freisetzungen/1210-bafu-bewilligt-freisetzungsversuch-mit-cisgenen-apfelbaeumen

BAFU bewilligt Freisetzungsversuch mit cisgenen Apfelbäumen

Heute hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope die Bewilligung für die Freisetzung von cisgenen Apfelbäumen im zürcherischen Reckenholz unter Auflagen erteilt. Für die SAG sind die Risikovorkehrungen bei der Versuchsanlage trotz der Auflagen des BAFUs (Entfernung der Blüten) ungenügend. Der Aussagewert dieser Gentech-Versuche dürfte nahezu Null sein.  Die Kosten sind enorm und fehlen der konventionellen Pflanzenzüchtung.

Nach Untersuchungen im Gewächshaus und im Labor sollten die Apfelbäume, denen ein Resistenzgen gegen Feuerbrand aus einen Wildapfel mit Gentechnik eingefügt wurde, am Agroscope-Standort Reckenholz im Freilandversuch getestet werden. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat das im Oktober eingereichte Gesuch unter Auflagen bewilligt. Für die SAG weisst das Freisetzungsgesuch gravierende Fehleinschätzungen auf und die Risikovorkehrungen bei der Versuchsanlage sind trotz Auflagen ungenügend. Die Risiken cisgener Pflanzen sind aus Sicht der SAG identisch mit jenen der transgenen. Andere Versuche haben gezeigt, dass gentechnische Eingriffe Wirkungen auf die Genregulierung oder Stoffwechselvorgänge haben. Dies kann unter anderem zu einem veränderten Wachstumsverhalten, einer höheren Anfälligkeit für Krankheiten oder zur Produktion von Giftstoffen und Allergenen führen.

Bäume haben, im Gegensatz zu vielen landwirtschaftlichen Kulturen, eine Lebensdauer von vielen Jahren. In diesem Zeitraum können sie ihr Erbgut nicht nur über Samen und Pollen, sondern auch über Wurzelausläufer über sehr weite Distanzen verbreiten. Die Gefahr einer Auskreuzung steigt daher bei gentechnisch veränderten Bäumen, im Vergleich zu manipulierten Ackerpflanzen, um ein Vielfaches.

Wald- und Wegränder wie auch Privatgärten rund um die Protected Site bieten günstige Aufwuchsbedingungen für gentechnisch veränderte Apfelsämlinge. Mit der Auflage zur Entfernung der Blüten wird verhindert, dass Pollen der gentechnisch veränderten Äpfel durch Wind oder bestäubende Insekten nach aussen gelangen oder dass Früchte und Samen von Mäusen nach aussen getragen werden, aber nur, wenn die Entfernung der Blüten zu 100% gelingt. Die anderen Risiken bleiben gleich.

Die Amputation aller Blüten ist eine massive Verletzung und ein radikaler Eingriff in den Stoffwechsel der Pflanzen, der eine Vielzahl von Gegenreaktionen auslöst und damit den Aussagewert des Versuchs stark beeinträchtigt. Da zudem der Feuerbrand und andere Krankheiten häufig über die Blüten übertragen werden, sinkt der Aussagewert des Versuchs gegen Null.

2007 war in der Schweiz das bislang schlimmste Feuerbrandjahr. Rund 10'000 Bäume wurden gerodet. Die schonungslose Rodungsaktion von rund 10'000 Bäume war bei Obstbäuerinnen und -bauern ebenso umstritten wie der Einsatz des Antibiotikums Streptomycin, dessen Rückstände in Honig gefunden wurden. Es hat sich gezeigt, dass das Bakterium nicht mehr flächendeckend vernichtet werden kann. Aber auch, dass gerade ältere Apfelbäume wieder gesunden. Doch wissenschaftliche Langzeituntersuchungen dazu fehlen.

Als besonders anfällig gelten ausgerechnet Sorten wie Elstar, Gala, Golden Delicious und Cox Orange, die Anbau und Handel dominieren. Doch es gibt eine grosse Vielfalt an robusten Sorten, die nicht nur mit dem Feuerbrand, sondern auch mit anderen gefürchteten Krankheiten wie beispielsweise Schorf deutlich besser umgehen können. Maya Graf, Präsidentin SAG und Biobäuerin: „Die alte Regel – je mehr Vielfalt, desto weniger Krankheiten und Schädlinge und desto mehr Ertragssicherheit – sollte auch im Obstbau wieder mehr Beachtung finden."