Durchwuchs und Verwilderung

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Bild: http://www.uft.uni-bremen.de/oekologie/abstandsprojekt.htm
Durchwuchs-Mais

Gentechnisch veränderter Mais hat in diesem Jahr auf einem Versuchsfeld der Firma Monsanto in Nordrhein-Westfalen erstmals überwintert. Im Jahr 2006 ausgesäter Gentech-Mais wuchs aufgrund des milden Winters im Frühjahr 2007 unplanmässig erneut auf den betroffenen Feldern. Dieser sogenannte Durchwuchs galt bei Mais in unseren Breitengraden bisher als ausgeschlossen, weil die Maiskörner extrem frostempfindlich sind. Damit muss ein wichtiger Grundsatz der Risikoabschätzung bei der Verbreitung von gentechnisch verändertem Mais und die Frage der Koexistenz auf Maisfeldern neu bedacht werden.

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Rapsvorkommen an einem Ruderalstandort.
(BBA-UF / www.biosicherheit.de)

1995 wurden in Kanada transgene, herbizidresistente Rapssorten zugelassen. Der grossflächige Anbau der herbizidresistenten Raps-Sorten bewirkte, dass herbizidresistenter Durchwuchsraps (d.h. Rapspflanzen, die als Folge des Überlebens von Rapssamen in Folgekulturen wieder heranwachsen) und mehrfachresistenter Raps (d.h. Rapssorten, die nach der Übertragung von Genen aus anderen Sorten neue und damit mehrfache Resistenzen gegen Unkrautvertilgungsmittel ausgebildet haben) in Kanada eine Realität sind. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der Verbrauch an Unkrautvertilgungsmittel wegen Gentech-Pflanzen stark ansteigt, da es immer mehr erforderlich wird, die neu entstandenen "Superunkräuter" mit Unkrautvertilgungsmitteln zu bekämpfen.

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Foto: BioSicherheit.de; Rikke Bagger Jörgensen

«Konventioneller Durchwuchsraps in Dänemark. Bei der Raps-Ernte fallen viele Samenkörner auf den Boden. Rapssamen können jahrelang im Boden überdauern. Nach einem Fruchtwechsel tritt Raps in den Folgejahren oft als Durchwuchs auf.» (http://www.biosicherheit.de/de/aktuell/627.doku.html)

Schwedische Forscher untersuchten zehn Jahre nach Ende eines Freisetzungsversuchs mit gentechnisch verändertem Raps die ehemaligen Freisetzungsflächen. Sie fanden noch Rapspflanzen, welche die eingeführten Gene trugen. Sie berichten von insgesamt 15 transgenen Rapspflanzen, die höchstwahrscheinlich aus zehn Jahre alten Samen aus dem Freisetzungsversuch ausgekeimt seien. Es wurden umgerechnet 0,01 Pflanzen pro Quadratmeter gefunden.

Die Resultate zeigen, dass beim Anbau von gentechnisch veränderten Rapskulturen Unkraut- bzw. Durchwuchs-Raps ein Faktor ist, der eine funktionierende Koexistenzlösung als unwahrscheinlich erscheinen lässt.

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Ergebnis des Keimversuchs mit Maiskörnern nach Darmpassage
rechts: Keimling mit normalem Wachstum
links: Keimling mit abnormalem Wachstum
restliche Maiskörmer: tote Samen


Eine Studie aus Deutschland zur Verbreitung von Transgenen durch Tiere kommt zum Schluss:
«Die Untersuchungen zur unkontrollierten Verbreitung von Saatgut zeigten, dass Wildschweine ggf. intakte keimfähige Maiskörner ausscheiden können. Keimfähigkeitsstudien nach Fütterung von Damhirschen ergaben, dass bei dieser Tierart intakte Rapssamen ausgeschieden werden können. Bei Fasanen konnte kein intaktes Saatgut nach Magen-Darm-Passage gefunden werden.» (Albrecht, Ch. et al. (2007). Experimentelle Untersuchungen zur Verbreitung von Transgenen durch Tiere über pflanzliche Verbreitungseinheiten nach Magen-Darm-Passage und über horizontalen Gentransfer. BfN-Skripten 225, 2007).