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Bild_Nanotechnologie
Bild: Fullerene und Carbon Nanotubes, www.nanoscience.ch

Nanotechnologie befasst sich mit Strukturen, die kleiner sind als 100 Nanometer. Es gibt allerdings noch keine rechtlich anerkannte grössenbasierte Definition für Nanopartikel. Zu unterscheiden sind Nanomaterialien (z.B. Carbon Nanotubes (Kohlenstoffnanoröhren)), Nanostrukturen (z.B. targeted drugs in der Medizin) und Nanosysteme (Nanobots (Nanoroboter, Nanomaschinen)).

Die Nanotechnologie eröffnet möglicherweise eine breite Palette von Anwendungen in der Medizin, der Energietechnik, bei der Speicherung von Daten, der Herstellung neuer Materialien. Das Feld der möglichen Anwendungen von Nanopartikeln zeichnet sich allerdings erst ab. Genannt werden etwa: Pigmente und andere Zusatzstoffe für Lacke und Kunststoffe, schmutzabweisende Kleidungsstücke, neuartige Verpackungen, Schutzanstrich für Karosserien, Prozessoren, Miniaturisierung der Halbleiterelektonik und der Optoelektronik, lithografische Verfahren, zahnärztlichen Füllungsmaterialien, Schutz vor ultravioletter Strahlung in modernen Sonnencremes, Sonnenschutzfolien, neuartige Diagnostika und Therapeutika, Wirkstofftransporter (drug delivery) oder biokompatible Implantate.

Gewisse Nanomaterialien werden bereits in der Praxis eingesetzt und sind kommerziell verfügbar.


Nanotechnologie wird vermutlich eine Rolle im Bereich der funktionellen Lebensmittel spielen. Substanzen sollen in nanostrukturierte Materialien eingeschlossen werden. Dadurch soll die Löslichkeit verbessert werden, eine kontrollierte Abgabe ermöglicht werden, die Bioverfügbarkeit erhöht werden, Nährstoffe während der Herstellung, Lagerung und im Handel geschützt werden.

Verschiedene europäische Bio-Organisationen haben sich gegen die Zulassung von Nanopartikeln in Bioprodukten ausgesprochen. Bio Suisse ist gegen jeglichen Einsatz von synthetischen Nanopartikeln in Bioprodukten mit der „Knospe“.


Die Risiken der Nanotechnologie lassen sich erst in groben Zügen abschätzen. Es liegen erst lückenhafte Erkenntnisse vor, wobei aber Hinweise auf toxische Eigenschaften von Nanomaterialien bekannt sind. Zahlreiche Wissenslücken lassen sich identifizieren und es besteht beachtlicher Forschungsbedarf. Für die meisten Nanopartikel ist es nicht klar, ob und wie sie im Körper aufgenommen, verteilt, verändert, angereichert oder ausgeschieden werden. Kenntnisse zur Ökotoxizität und zum Umweltverhalten von Nanopartikeln sind nur vereinzelt vorhanden.

In der Gesetzgebung bestehen Lücken. Auf Gesetzesstufe in der Schweiz sind die Voraussetzungen nicht zufriedenstellend gegeben, um synthetische Nanopartikel zu regulieren. Es ist fraglich, ob die für konventionelle Chemikalien angewendeten Beurteilungskonzepte auch für Nanopartikel verwendet werden können. Die Lücken sollten in Zusammenarbeit mit der EU und weiteren internationalen Gremien möglichst bald geschlossen werden. Das Ziel muss ein vollständiger Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt vor allen schädlichen Auswirkungen durch Nanopartikel sein. Es muss eine Deklarationspflicht für synthetischen Nanopartikel in Handelsprodukten geschaffen werden.

Risiko allgemein

Umweltrisiken

Arbeitnehmerrisiken

Lebensmittel

BUND. Endstation Mensch: Aus dem Labor auf den Teller. Die Nutzung der Nanotechnologie im Lebensmittelsektor

Lebensmittelverpackungen

Juli 2013

Die Europäische Union schreibt seit dem 30. November 2009 vor, bei Kosmetikprodukten mit synthetischen Nanopartikeln im Verzeichnis der Zutaten den Hinweis “nano“ hinzuzufügen, dies allerdings mit einer Übergangsfrist bis 2013. Am 11. Juli 2013 trat nun in der EU die Neufassung der Kosmetikverordnung Nr. 1223/2009 definitiv in Kraft. Somit sind Kosmetika die ersten Produkte in der EU, für die eine Kennzeichnungspflicht für Nanomaterialien gilt. Laut Bundesamt für Gesundheit BAG ist in der Schweiz die Übernahme der Deklarationspflicht für Nanomaterialien in kosmetischen Mitteln im Rahmen einer Totalrevision der Lebensmittelgesetzgebung vorgesehen. Die endgültige Verabschiedung der revidierten Gesetzgebung ist für 2015 geplant.

Mai 2011

Die SAG beschliesst, in Zukunft die Entwicklungen in der Nanotechnologie bei Lebensmitteln, Gebrauchsartikeln und in der Landwirtschaft kritisch beobachten. Dazu wurde eine Situationsanalyse und ein Positionspapier mit politischen Forderungen erstellt.

Mai 2011

Die ETH und IBM eröffnen ein Nanotechnologie-Zentrum in Rüschlikon

externer Link: ETH Life

Mai 2010

Das Auswahlverfahren für Projekte des Nationalen Forschungsprogramms „Chancen und Risiken von Nanomaterialien“ (NFP 64) hat die nächste Etappe erreicht. Nach Prüfung der eingereichten Projektskizzen lädt die Leitungsgruppe die Forschenden von 21 Projektskizzen ein, ein Gesuch einzureichen. Die Arbeit zu den Projekten im Nationalen Forschungsprogramm NFP 64 haben Anfang 2011 begonnen.

April 2010

Ein externes Gutachten im Auftrag der EKAH untersucht künftige Diskussionen rund um das Thema Lebensmittel, wobei auch Verfahren der Nanotechnologie berücksichtigt sind.

Januar 2009

Die TA-SWISS publiziert eine Studie unter dem Titel Nanotechnologie im Bereich der Lebensmittel. Fachpersonen aus dem Bereich der Lebensmittelwissenschaften finden, dass die Nanotechnologie bei Lebensmitteln in der Praxis derzeit noch kaum zum Einsatz komme, in der Grundlagenforschung jedoch von Bedeutung sei. Die Industrie erforscht entsprechende Möglichkeiten bereits mit grossem Aufwand. Eine Abklärung des Themas drängt sich deshalb auf, bevor allfällige Produkte breit vermarktet werden.

Dezember 2008

Im Dezember 2008 haben das Bundesamt für Gesundheit BAG und das Bundesamt für Umwelt BAFU eine Testphase für einen Vorsorgeraster für synthetische Nanomaterialien lanciert. Er soll es der Industrie erlauben, durch ein strukturiertes Vorgehen möglicher Risiken im Umgang mit synthetischen Nanomaterialien zu erkennen. Der Vorsorgeraster wurde Anfangs 2010 aufgrund der Erfahrungen überarbeitet.

April 2008

Der Bundesrat hat den Aktionsplan «Synthetische Nanomaterialien» verabschiedet. Damit spricht er sich für eine nachhaltige Entwicklung der Nanotechnologie aus und setzt auf einen differenzierten öffentlichen Dialog über deren Chancen und Risiken.

Januar 2008

Nano-Tera.ch: Ausschreibung lanciert: In den kommenden vier Jahren werden 120 Millionen Franken in das gesamtschweizerische Forschungsprogramm Nano-Tera.ch investiert. Nano-Tera.ch hat zum Ziel, die Schweiz im Bereich der eingebetteten Systeme zu stärken.

November 2007

In einem Grundlagenbericht zum Schweizer Aktionsplan Risikobeurteilung und Risikomanagement synthetischer Nanomaterialien fassen BAG und BAFU den aktuellen Stand des Wissens um die Risiken von synthetischen Nanopartikeln zusammen. Der Bericht behandelt die verschiedenen vorhandenen Produkte und Anwendungen, die Auswirkungen auf die Gesundheit und Umwelt, die Arbeitssicherheit, Rechtsetzung, Technologiefolgen-Abschätzung sowie die Kommunikation. Der abgeleitete Handlungsbedarf, ist Grundlage für konkrete Handlungsempfehlungen des Aktionsplans zum sicheren Umgang mit synthetischen Nanopartikeln.

Januar 2007

Ein externes Gutachten im Auftrag der EKAH folgert, dass die Beweislast für die Ungefährlichkeit von (ungebundenen) synthetischen Nanopartikeln dann den Herstellern aufzubürden ist, wenn es vernünftige Gründe gibt anzunehmen, dass diese Partikel unter gewissen Bedingungen Mensch und Umwelt schwerwiegend schädigen können.

September 2006

Im September 2006 fanden in allen Landesteilen publifocus-Veranstaltungen der TA-SWISS statt. Die TA-SWISS wollte mit zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern Fragen diskutieren wie: Wie nehmen sogenannte Laien die Nanotech-Diskussion wahr? Wo sehen Bürgerinnen und Bürger Chancen für sich, ihre Gesundheit und die Umwelt? Und wo liegen mögliche Risiken? Werden bei der Nano-Forschung ethische Grenzen überschritten? Braucht es eine Regulation oder eine einheitliche Deklaration?

Dezember 2003

Die TA-Swiss publiziert eine Studie „Nanotechnologie in der Medizin“. Die Ergebnisse beruhen auf einer internationalen, schriftlichen Befragung von über 70 Fachpersonen aus unterschiedlichen Disziplinen.






Bild: www.konsortium-weizen.ch

Forschende der Universität Zürich, der ETH Zürich und der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART untersuchen in einem gemeinsamen Freisetzungsversuch den Nutzen und die Risiken von gentechnisch verändertem pilzresistentem Weizen. Die Freisetzungen werden an den Standorten Reckenholz und in Pully durchgeführt. Der Versuch wurde am 7. Februar 2008 vom Bundesamt für Umwelt definitiv bewilligt und ist Teil des Nationalen Forschungsprogramms 59 «Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen», welches der Schweizerische Nationalfonds im Auftrag des Bundesrats durchführt. Die Versuche laufen bis 2011.

Anfang Dezember 2005 lanciert der Bundesrat das Nationale Forschungsprogramm «Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen». Bis 2011 stehen zwölf Millionen Franken für das Programm bereit.

Im Rahmen des NFP 59 wurden für die Periode 2008 bis 2011 drei Freisetzungsversuche beantragt. Sie wurden vom Bundesamt für Umwelt BAFU im September 2007 bewilligt. Die Freisetzungsversuche werden im Menu Freisetzungsversuche dokumentiert.

August 2012

Das Nationale Forschungsprogramm „Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen“ (NFP 59) publiziert den Synthesebericht zum Gesamtprogramm. Die Bewertung der SAG bekräftigt: Die Schweiz kann und soll auf den kommerziellen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen verzichten.

Februar 2012

Auf der Homepage des NFP 59 werden Zusammenfassungen der Forschungsresultate online verfügbar.

März 2011

In einem Newsletter des NFP 59 wird mitgeteilt, dass die Forschungsarbeit im Rahmen des NFP 59 in die Schlussphase kommt. Knapp die Hälfte der Projekte hätte unterdessen einen Schlussbericht erstellt, der Rest werde bis im Sommer 2011 abgeschlossen sein. Es folgt dann das Zusammenführen der Resultate zu einem Synthesebericht, der per Mitte 2012 zu erwarten sei.

September 2010

Im Newsletter des NFP 59 (Ausgabe 4, September 2010) sind Forschungsprojekte zur Risikobeurteilung besprochen.

August 2010

Die transgenen Weizenpflanzen des Versuchsfeldes an der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (ART) in Zürich wurden geerntet.

Februar 2010

Das Bundesamt für Umwelt BAFU hat grünes Licht für die Fortsetzung der Versuche gegeben: Der Versuch in Zürich kann ins letzte Versuchsjahr starten, in Pully geht es ins zweite Versuchsjahr.

Dezember 2009

Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) hat einen Zwischenbericht des Nationalen Forschungsprogramms «Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen» (NFP 59) eingereicht. Erste Studien stellen unter anderem fest, dass eine Mehrheit der Bevölkerung der grünen Gentechnologie gegenüber negativ eingestellt und für eine Wahlfreiheit beim Kauf von gentechnisch veränderten oder unveränderten Produkten ist. Festgestellt wird auch, dass die geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen nicht genügen, um die Koexistenz von landwirtschaftlichen Anbauformen mit und ohne gentechnisch veränderten Pflanzen zu regeln.

Oktober 2009

Halbzeit im NFP 59: Erste Projekte im Bereich der Sozialwissenschaften sind abgeschlossen. Im Newsletter des NFP 59 (Ausgabe Oktober 2009) wird über erste Zwischenresultate berichtet.

Mai 2009

Das NFP 59 sucht mit wissenschaftlichen Methoden nach Antworten auf Fragen zur Agro-Gentechnik in der Öffentlichkeit und Politik. Im Newsletter des NFP 59 (Ausgabe Mai 2009) sind Zwischenresultate dieser Forschungsprojekte festgehalten.

Oktober 2008

Für die Schweiz mit ihrer sehr kleinräumig strukturierten Landwirtschaft ist noch nicht klar, ob und wie ein Nebeneinander von Landwirtschaftsformen mit und ohne gentechnisch veränderte Pflanzen möglich ist. Wie müsste man diese so genannte Koexistenz (...) reglementieren, und welche Auswirkungen hätte sie auf die landwirtschaftlichen Strukturen der Schweiz? Im NFP 59 will ein Projekt Lösungen für die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Koexistenz erarbeiten – und damit Rechtssicherheit schaffen. Im Newsletter des NFP 59 (Ausgabe Oktober 2008) werden über erste Zwischenresultate berichtet.

November 2007

Am 26. November 2007 wurde die Homepage des NFP 59 aufgeschaltet. Eine Übersicht zu den Projekten ist verfügbar.

Juni 2007

14 gentechnik-kritische Organisationen nehmen zu den geplanten Freisetzungs-Experimenten der Universität Zürich und der ETH mit Gentech-Pflanzen Stellung. Hauptkritikpunkt ist, dass das Gentechnikgesetz nicht eingehalten wird. Es fehlen relevante Resultate zur Einschätzung möglicher negativer Auswirkungen auf andere Lebewesen in geschlossenen Systemen. Das BAFU wird aufgefordert, alle drei Bewilligungsgesuche abzulehnen.

Mai 2007

Am 30. Mai 2007 wurde der Start des Nationalen Forschungsprogramms zu Nutzen und Risiken von gentechnisch veränderten Pflanzen bekannt gegeben. Der Schweizerische Nationalfonds hat 27 Projekte bewilligt, die ein breites Spektrum von Forschungsfragen untersuchen sollen. Erforscht werden nicht nur biologische sondern auch wirtschaftliche, rechtliche und ethische Aspekte von GVP. Es sollen drei Freisetzungsversuche stattfinden (Standorte Zürich, Pully). Beantragt sind die drei Freisetzungsgesuche durch die Universität Zürich und die ETH Zürich. Sie wollen Gentech-Weizen sowie eine Kreuzung zwischen Weizen und einem Wildgras zu Forschungszwecken im Feld untersuchen.

Januar 2007

Bis am 24. Januar 2007 mussten die ausgewählten Forschungsgesuche eingereicht werden. Von insgesamt 92 Forschungsskizzen mit einem total geforderten Betrag von 36 Millionen Franken (10 Millionen werden vergeben), wurden deren 39 für die Eingabe eines Forschungsgesuches berücksichtigt (siehe SNF).

Juni 2006

Im Juni 2006 erfolgte die Ausschreibung des NFP 59. Es gliedert sich in vier Schwerpunkte auf:
1. Pflanzenbiotechnologie und Umwelt
2. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Aspekte
3. Risikobewertung, Risikomanagement und Entscheidungsprozesse
4. Übersichts- und Synthesestudien
Einsendeschluss für Forschungsgesuche war der 31. August 2006.

Februar 2006

Die SAG wird vom Leitungsausschuss des Nationalen Forschungsprogramms eingeladen und kann ihre Haltung und Forderungen deponieren.

Dezember 2005

Die SAG kontaktiert Bundesrat Couchepin im Zusammenhang mit dem Nationalen Forschungsprogramm NFP über «Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen». Es wird betont, dass (1) ein hoher Grad an Vorsorge und Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung durch allfällige Freisetzungsversuche garantiert bleibt, (2) gewährleistet ist, dass insbesondere die Risikoforschung von unabhängigen Expertinnen und Experten weiter entwickelt werden kann, (3) bei der Bewertung von Risiken und Nutzen Forschungsprojekte zum biologischen Landbau gebührend berücksichtigt werden sowie dass (4) bei der Auswahl der geförderten Projekte Transparenz sichergestellt ist.

November 2005

Bis zur Abstimmung am 27. November 2005 unterzeichnen 96 ProfessorInnen, DozentInnen und Forschende eine ausführliche Erklärung unterzeichnet, die das fünfjährige Moratorium für den kommerziellen Anbau von Gentech-Pflanzen befürwortet. Die WissenschafterInnen aus der Deutschschweiz und der Romandie wollen, dass in diesen 5 Jahren wichtige Fragen über Nutzen, Grenzen und Risiken der Agro-Gentechnik diskutiert und geklärt werden.



Bild_Nutztiere
Bild: www.lid.ch


Trotz anfänglichen Erfolgsmeldungen haben sich die Erwartungen in die Gentechnik an Nutztieren bisher nicht erfüllt. Gentechnisch veränderte Nutztiere, die Milch, Fleisch oder Eier für die menschliche Ernährung liefern, gibt es nicht. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass man derzeit kaum wirtschaftlich interessante Gene kennt, die in das Erbgut von Nutztieren eingeführt werden könnten. Zudem sind die Gentransfer-Techniken noch immer sehr ineffizient. Einzig bei gentechnisch veränderten Fischen liegen bereits Anträge zur Marktzulassung vor. Bisher sollen 35 verschiedene Fischarten gentechnisch verändert worden sein, darunter Forellen, Karpfen, Lachs oder Kabeljau.

Die SAG lehnt im Grundsatz den gentechnischen Eingriff an Tieren ab. Die Genmanipulation an Nutztieren stellt eine lnstrumentalisierung der Tiere dar und ist vorrangig mit rein wirtschaftlichen Zielen begründet: Mehr, billiger und schneller sind die Motivation der Eingriffe. Die Produktion solcher Tiere ist aber sehr ineffizient und ist damit mit einem grossem Tierverschleiss verbunden. Zudem sind transgene Nutztiere in aller Regel in ihrem Körperbau bzw. ihrer Gesundheit beeinträchtigt.

Transgene Nutztiere sollen entweder für die Landwirtschaft bzw. Tierproduktion, für pharmazeutische Zwecke oder für die Xenotransplantation hergestellt werden. In der medizinischen Forschung werden vor allem Mäuse und Ratten eingesetzt, es können aber auch Nutztiere für die Forschung verwendet werden (siehe Tiere in der Medizin).

Im Bereich Landwirtschaft besteht das Interesse, artfremde Gene als Material für die gentechnische Züchtung zu nutzen. Optimal gentechnisch veränderte Nutztiere sollen sodann kloniert werden, d.h. ein erfolgreich genmanipuliertes Tier wird mittels Klonierung zu genetisch identischen Individuen vervielfältigt.
externer Link: Öko-Institut: Transgene Nutztiere

Das Ziel der Genmanipulation von Nutztieren für den pharmazeutischen Bereich – dem so genannten Gene Pharming (auch Molecular Pharming) – liegt darin, aus Körperflüssigkeiten der transgenen Tiere kostengünstige Medikamente zu gewinnen. Die Milchdrüse ist zurzeit der bevorzugte Bioreaktor bei Tieren. Hühnereier will man zur Gewinnung von Impfstoffen verwenden. Aus Blut sollen Blutproteine isoliert werden. Auch Urin und Sperma kommen für die Ausscheidung der Wirkstoffe in Frage. Das erste weltweit gentechnisch veränderte Nutztier für pharmazeutische Zwecke war ein Stier mit dem Namen Herman, der den menschlichen Wirkstoff Lactoferrin produzieren sollte. In der EU ist ein Wirkstoff aus transgenen Tieren für den Markt zugelassen, nämlich ein menschlicher Blutgerinnungshemmer (Antithrombin) unter dem Firmennamen ATryn. Das Gene-Pharming hat in den letzten Jahren eine ernsthafte Konkurrenz erhalten: die Pharmacrops.

Mai 2011

In den USA sind seit Januar 2009 gemäss einer Richtlinie der Gesundheitsbehörde FDA transgene Nutztiere zugelassen. Ein Artikel im Journal of Agricultural and Environmental Ethics diskutiert das Wohlempfinden solcher Tiere.

September 2009

Die Zeitschrtift New Scientists berichtet von der Vision des Philosophen Adam Shriver der Washington University in St Louis, Missouri, über schmerzfreie Tiere dank Gentechnik. Seine Überlegung: Diejenigen Gene in Nutztieren ausschalten, die im Hirn beim Empfinden von Schmerz eine Rolle spielen. Fallen diese Gene aus, würden die Prozesse im Hirn blockiert, welche den Schmerz zur schweren Belastung machen; Schmerz würde zwar immer noch empfunden, jedoch weniger belastend. Noch sei unklar, welche Gene ausgeschaltet werden müssten. Shriver ist aber überzeugt, dass die Forschung auf dem besten Weg ist, dies herauszufinden.

Februar 2009

Die US-amerikanische Gesundheitspehörde lässt das erste Medikament aus transgenen Nutztieren zu. Es handelt sich um Atryn der Firma GTC Biotherapeutics, eine Variante des im menschlichen Körper vorkommenden Antithrombins und wird aus der Milch transgener Ziegen gewonnen. Das Präparat dient der Vorbeugung venöser Thromboembolien bei Patienten, die sich einer Operation unterziehen und an einem erblich bedingten Mangel an Antithrombin leiden.

November 2005

Während in der Gen-Schutz-lnitiative der SAG (verlorene Volksabstimmung 1998) ein generelles Verbot transgener Tiere verlangt wurde, beschränkte sich das Moratorium der Gentechfrei-Initiative (gewonnene Volksabstimmung 2005) auf Nutztiere. Für Tiere erstreckt sich der Geltungsbereich des Moratoriums auf die Nutzung zur Produktion von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Gütern. Die Initiative versteht unter «Tiere» sämtliche Tierarten, also nicht nur Wirbeltiere wie GTG Artikel 9, sondern auch wirbellose Tiere. Das Moratorium umfasst damit unter landwirtschaftlichen Nutztieren auch Nützlinge wie beispielsweise Bienen. Eingeschlossen sind Nutztiere auch dann, wenn sie zu landwirtschaftlichen Zwecken eingesetzt werden und in geschlossenen Systemen gehalten werden.

Januar 2004

Mit dem in Kraft treten des Gentechnikgesetzes GTG wird in Artikel 9 die gentechnische Veränderungen an Wirbeltieren geregelt. Der Artikel besagt, dass gentechnisch veränderte Wirbeltiere nur für Zwecke der Forschung, Therapie und Diagnostik an Mensch oder Tier erzeugt und in Verkehr gebracht werden dürfen. Damit sind gentechnisch veränderte Nutztiere für die Landwirtschaft in der Schweiz gesetzlich verboten. Importfleisch wird allerdings von GTG Artikel 9 nicht erfasst. Auch die Deklaration von Produkten aus der Fütterung von Nutztieren mit Gentech-Futtermitteln wird vom Verbot für Nutztiere nicht geregelt (siehe Futtermittel).

Juni 1998

Die Gen-Schutz-lnitiative der SAG verlangte unter anderem ein Verbot transgener Tiere und wurde 1998 von der Bevölkerung mit einer Zweidrittel-Mehrheit abgelehnt. Im Gen-Lex-Verfahren setzte sich die SAG im Sinne eines Kompromisses für einen restriktiven Umgang mit der Gentechnik an Tieren in der Medizin ein und forderte eine starke Gewichtung der Würde der Kreatur.



Bild_Patente

Gentech-Saatgut kann patentiert werden. Dies ist einer der Hauptgründe warum sich die Agro-Industrie derart stark für die Gentechnologie engagiert. Es winken höhere Profite und mehr Marktmacht, auf Kosten der Bauern, der kleineren Züchter, der biologischen Vielfalt und der Ernährungssicherheit. Durch Patente auf Gentech-Saatgut wird die Struktur des Marktes und somit auch die gesamte Landwirtschaft verändert.

Patente sind von der zuständigen Behörde erteilte Schutztitel für Erfindungen. Eine Erfindung im rechtlichen Sinne löst ein technisches Problem mit den Mitteln der Technik. Die gesetzlichen Grundlagen in der Schweiz sind im Patentgesetz und der Patentverordnung festgehalten.

Das Europäische Patentamt (EPA) hat im Interesse der multinationalen Konzerne in den letzten Jahren die Patentierbarkeit immer stärker ausgeweitet und die bestehenden Verbote unterlaufen. Die Nahrungssicherheit liegt zunehmend in den Händen einiger weniger transnationaler Chemie- und Biotechnologie-Konzerne.

Die zunehmende Patentierung von Saatgut, konventionellen Pflanzensorten und Nutztierrassen bedeutet eine weitgehende Enteignung von Bauern und Züchtern: Landwirte dürfen ihr Saatgut aus der Ernte nicht mehr zurück behalten und Züchter können mit dem patentierten Saatgut nur noch sehr eingeschränkt weiter arbeiten.

In der SAG befassen sich die Vorstandsorganisationen Swissaid, Erklärung von Bern, Greenpeace und das Blauen-Institut mit der Patentproblematik.

Die SAG beschränkt sich hier deshalb auf wichtige Links (rechte Spalte) und einige wichtige Meilensteine in der Debatte um Patente auf Leben.

Mai 2012

Das Europäische Parlament hat eine Resolution verabschiedet, in der das Europäische Patentamt und die Europäische Kommission aufgefordert werden, die Patentierung von Pflanzensorten und Tierarten sowie konventionelle Züchtungsverfahren zu verbieten.

März 2012

Ein Report der internationalen Koalition „Keine Patente auf Saatgut!“ listet die 2011 vom Europäischen Patentamt (EPA) gewährten Patente auf Sonnenblumen, Melonen, Gurken, Reis und Weizen auf und erläutert die Gefahren der Patentvergabepraxis.

Mai 2011

Der Agro-Gentechnik-Konzern Monsanto hat ein europäisches Patent auf eine konventionell gezüchtete Melone erhalten. Die Melone ist resistent gegenüber einer Viruskrankheit und wurde auf herkömmliche Art und Weise gezüchtet.

Dezember 2010

Das Europäische Patentamt veröffentlicht den Entscheid zu den Brokkoli- bzw. Tomatenpatenten. Es handelt sich um die Klärung des Begriffs der „im Wesentlichen biologische Verfahren", mit dem im Europäischen Patentübereinkommen (EPÜ) derartige Verfahren zur Züchtung von Pflanzen (und Tieren) von der Patentierbarkeit ausgeschlossen werden.

externer Link: Europäisches Patentamt

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Photo Credit: James Gathany, Centers for Disease Control and Prevention

Im Pharmabereich können beachtliche Risiken für Mensch, Tier und Umwelt entstehen, wenn in geschlossenen Systemen (Laboratorien, Produktionsanlagen) mit pathogenen Mikroorganismen gearbeitet wird, wobei auch gentechnische Verfahren eingesetzt werden können. Die Sicherheit soll namentlich durch das Epidemiengesetz, die Einschliessungsverordnung und die Arbeitnehmerschutzverordnung SAMV gewährleistet werden.

Die SAG befasst sich nur am Rande mit den Entwicklungen der Gentechnik im Pharmabereich, beobachtet aber den Umgang mit Tieren in der Pharmaindustrie (siehe: Tiere in der Medizin und Würde der Kreatur).

Die Gentechnik kommt im Pharmasektor in unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz, so beispielsweise:
- Produktion von rekombinanten Pharmaka und Impfstoffen in geschlossenen Produktionsanlagen
- Produktion transgener Tiere für die Gewinnung von Wirkstoffen (Gene Pharming; siehe: Nutztiere)
- Produktion transgener Pflanzen für die Gewinnung von Wirkstoffen (siehe: Pharmacrops)
- Grundlagenforschung zu Krankheiten (unter anderem mit transgenen Tieren als Krankheitsmodelle (siehe Tiere Medizin; siehe auch Humangenetik).
Die Bedeutung und der Marktanteil von gentechnisch hergestellten Medikamenten in der Medizin nehmen stetig zu. Seit der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre ist der Einsatz von gentechnisch hergestellten Produkten im Verhältnis zum Gesamtmarkt überdurchschnittlich stark gewachsen. Im Jahr 2008 wurden rund zehnmal mehr Medikamente aus biotechnologischer Herstellung abgegeben als noch vor zehn Jahren. Ihr Wert zu Fabrikabgabepreisen betrug 593 Millionen Franken.

Laut dem Biotech-Report 2012 ist der gesamte Schweizer Branchenumsatz im Jahre 2011 im Vergleich zu 2010 von 9,3 auf 8,7 Milliarden Franken gesunken.

Rekombinante Pharmaka

Swissmedic gibt eine Übersicht über in der Schweiz zugelassene Arzneimittel, die mittels Gentechnik hergestellt wurden oder die gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthalten.

In Deutschland waren im Jahr 2012 146 Arzneimittel mit 109 gentechnisch hergestellten Wirkstoffen zugelassen. Diese rekombinanten Medikamente machen mit rund 4,7 Mrd. Euro bereits 16% des Arzneimittelumsatzes in Deutschland aus.

Forschung: Umgang mit Pathogenen

In der pharmazeutischen Forschung wird auch mit krankheitserregenden Mikroorganismen umgegangen. Mit dem Erlass der Einschliessungsverordnung wurden Listen von Organismen (Viren, Pilze, Bakterien und Parasiten) und ihre Zuordnung zu biologischen Sicherheitssystemen publiziert.