Lebensmittel

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Bild: Bio Suisse


Gesunde Lebensmittel gehören zu den unverzichtbaren Lebensgrundlagen des Menschen. Die Gentechnologie ermöglicht eine qualitativ neuartige Manipulation aller unserer Nahrungsquellen. Nahrung, die direkt aus der Natur stammt, wird als unvollkommen gewertet und einer gentechnischen Optimierung unterworfen. Ökologische und ernährungsphysiologische Mängel natürlicher Nahrungsquellen sollen eliminiert werden, die Produktivität nochmals gesteigert, die Herstellungsprozesse weiter beschleunigt werden. Zusätzlich will man neue Geschmackserlebnisse anbieten und eine neue Esskultur eröffnen. Nachdem auf Laborebene gentechnische Eingriffe an sozusagen allen wichtigen Nahrungsquellen bereits vollzogen sind, findet namentlich in den USA eine Durchdringung des Lebensmittelmarktes mit genmanipulierten Produkten statt. In der Schweiz und in Europa herrscht grosse Zurückhaltung, nicht zuletzt, da eine grosse Mehrheit der Bevölkerung (60-80%) gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnt. Umwelt- und Gesundheitsrisiken, die beim Konsum von Gentech-Lebensmitteln resultieren können, sind heute nicht hinreichend voraussagbar und können keineswegs ausgeschlossen werden.

Mittels Gentechnik erfolgt ein technischer Eingriff in Nahrungsbestandteile, der im deutlichen Gegensatz zur Naturbelassenheit steht, denn die Gentechnik isoliert die Nahrungsquelle aus ihrem Kontext und funktioniert sie im Reagenzglas effizient, gezielt und meist unter Verwendung artfremder Gene um.

Mit der Annahme der Gentechfrei-Initiative ist garantiert, dass bis Ende 2010 Lebensmittel direkt aus dem Anbau in der Schweizer Landwirtschaft gentechnikfrei sind. Der Bundesrat und das Parlament haben das Moratorium um 3 Jahre verlängert. Damit dürfen bis Ende November 2013 keine Bewilligungen für das Inverkehrbringen von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Schweizer Landwirtschaft erteilt werden. Gewisse GVO-haltige Lebensmittelprodukte können aber in die Schweiz importiert und verarbeitet werden. Der Import ist wesentlich vom Markt geregelt und unterliegt den Kennzeichnungsregelungen.

Stand bewilligter Gentech-Lebensmittel

Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat den gesetzlichen Auftrag, gentechnisch veränderte Lebensmittel bezüglich des Gesundheits- und des Täuschungsschutzes zu prüfen und einen Entscheid zu fällen. Das BAG berichtet auf seiner Homepage über den Status der Anmeldungen und Bewilligungen im Bereich GVO-Lebensmittel.

Gesundheitsrisiken

Bereits 1999 hat ein Fütterungsversuch von Ratten mit genmanipulierten Kartoffeln eine erste heftige Kontroverse ausgelöst (insektenresistente Kartoffeln mit einem Lektin-Gen aus dem Schneeglöckchen Galanthus nivellus). Die Resultate des renommierten Lebensmittelchemikers Arpad Pusztai waren alarmierend, da die Ratten Organschäden und Schwächungen des Immunsystems aufwiesen.

Die Französische Kommission für Biomolekularforschung (Commission du Génie Bio-moléculaire, CGB) erklärte im Frühling 2004 den Gentech-Mais MON863 in einem vertraulichen Bericht als nicht sicher. Die CGB könne ein Risiko für die tierische Gesundheit bei einer Fütterung mit diesem Gentech-Mais nicht ausschliessen, da Veränderungen an den Versuchstieren bisher nicht befriedigend erklärt werden konnten.


In Australien wurde 2005 ein mehrjähriger Versuch mit gentechnisch veränderten Erbsen aus Sicherheitsbedenken abgebrochen worden. Mäuse, die mit insekten-resistenten Erbsen gefüttert wurden, haben Lungenschädigungen aufgewiesen.

Eine Neuauswertung der Fütterungsversuche von Monsanto zeigte bei drei gentechnisch veränderten Mais-Varianten (MON810, MON863, NK603), dass insbesondere die Blutwerte für Leber und Nieren signifikante Veränderungen aufweisen.

Eine Fütterungs-Studie des italienischen Forschungsinstitutes für Ernährung und Lebensmittel kommt zum Ergebnis, dass Gentech-Mais MON810 signifikante Veränderungen im Immunsystem bei Mäusen bewirken kann.

In einer Studie im Auftrag des österreichischen Ministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend wurden bei Labormäusen, die mit einer Diät gefüttert wurden, die zu einem Drittel aus gentechnisch verändertem Mais NK603xMON810 bestand, geringere Reproduktionsleistungen festgestellt.

Italienische Forscher fanden bei der Fütterung von Ziegen mit Gentech-Soja (herbizidresistente Roundup Ready Soja) Fragmente der Fremd-DNA (des 35S Promotors und des Herbizidresistenz-Gens CP4 EPSPS) in Organen. Zusätzlich wurden Unterschiede in den Enzymaktivitäten festgestellt.

Forscher an der Universität Sherbrooke im kanadischen Quebec haben das Blut von Menschen, die nachweislich Lebensmittelprodukte aus herbizidresistenten bzw. schädlingsresistenten Gentech-Pflanzen konsumiert haben, untersucht. Gemessen wurde die Konzentrationen der Herbizide Glyphosat und Glufosinat (und deren hauptsächlichen Metaboliten) sowie das Bt-Toxin, das vom Cry1AB-Gen aus schädlingsresistenten Gentech-Pflanzen stammt, im Blut von 39 nicht-schwangeren und 30 schwangeren Frauen sowie deren Foeten. Sowohl Glyphosat wie auch Glufosinat wurden im Blut einiger nicht-schwangeren Frauen gefunden. Besonders brisant am Resultat ist, dass 93% der untersuchten schwangeren Frauen und 80% derer Föten (d.h. das Bt-Toxin passiert sogar die Plazenta) sowie 69% der nicht-schwangeren Frauen das Bt-Toxin Cry1AB im Blut aufwiesen. Die Forscher empfehlen, den Einfluss von Gift-assoziierten (Pestizide, Bt-Toxine) Gentech-Lebensmitteln weiter zu erforschen.

Forscher in Frankreich begutachteten insgesamt 19 Studien an Säugetieren, die mit gentechnisch veränderten Sojabohnen bzw. Mais gefüttert wurden. Die Literaturstudie ergab, dass mehrere Datensätze auf Leber und Nierenprobleme bei den gefütterten Tieren hinweisen. Die Forscher kommen damit zum Schluss, dass die heute vom Gesetzgeber verlangten 90-Tage-Fütterungsversuche unzureichend sind, um chronische Toxizitäten zu erkennen.

externer Link: Publikation

Kennzeichnung

Bei der Verwendung von GVO-Erzeugnissen in Lebensmitteln besteht in der Schweiz eine umfassende Deklaration, um Konsumentinnen und Konsumenten vor Täuschung zu schützen und ihnen die Wahlfreiheit zwischen herkömmlichen und gentechnisch veränderten Lebensmitteln zu ermöglichen. Das Bundesamt für Gesundheit BAG gibt eine Übersicht zu den Kennzeichnungsbestimmungen.


Bei Lebensmitteln aus tierischer Produktion besteht aber eine gravierende Lücke: Einerseits sind Lebensmittel aus tierischer Produktion in Bezug auf Gentech- Fütterung nicht deklarationspflichtig und andererseits ist die Auslobung gentechnikfreier Produkte – im Vergleich zu etwa den Bestimmungen in Deutschland – erschwert und mit gängigen Begriffen wie «gentechfrei» nicht möglich.

Kontrolle

Das Bundesamt für Gesundheit bietet ein Internetangebot zu Lebensmittelkontrollen an. Jährlich wird ein zusammenfassender Bericht über die Ergebnisse der Kontrollen der kantonalen Vollzugsbehörden, die jedes Jahr mehrere hundert Lebensmittelproben auf Anteile gentechnisch veränderter Organismen (GVO) untersuchen, aufgeschaltet.

Warenflusstrennung

Wer mit GVO umgeht, hat dafür zu sorgen, dass keine unerwünschten Vermischungen mit herkömmlichen Organismen auftreten. Dazu muss ein Qualitätssicherungssystem vorliegen. Das Bundesamt für Gesundheit BAG publizierte eine Studie, welche aufzeigt, dass die Lebensmittelproduzenten und -importeure die Warenflüsse von gentechnisch veränderten und herkömmlichen Erzeugnissen trennen können.

Ethische Betrachtung zu gentechnisch veränderten Lebensmitteln

Die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich EKAH befasst sich mit Gentech-Lebensmitteln aus ethischer Sicht. Eine Broschüre der EKAH befasst sich mit den geltenden Beurteilungskriterien des schweizerischen Lebens- und Futtermittelrechts. Es wird zudem dargelegt, welche zusätzlichen, über die geltenden Kriterien hinausgehenden Aspekte aus ethischer Sicht zu berücksichtigen sind.

PubliForum Gentechnik und Ernährung

Im Jahr 1998/99 wurde im Rahmen des PubliForum den Entscheidungstragenden Hinweise über die Einstellung der schweizerischen Bevölkerung zur Gentechnik und ihren Anwendungen im Ernährungsbereich geliefert. Das Bügerpanel forderte ein Moratorium für die Herstellung und Vermarktung von gentechnisch veränderten Organismen. Die beteiligten Bürgerinnen und Bürger brachten damit zum Ausdruck, dass sie in Zukunft keine Gentech-Lebensmittel auf ihren Tellern wollen.

Revisionen Lebensmittelrecht

Oktober 2009
Mit Eingabefrist bis am 31. Oktober 2009 wurde eine Vernehmlassung zur Änderung des Lebensmittelgesetzes LMG eröffnet. Mit den vorgeschlagenen Änderungen soll die Schweiz zukünftig an den Systemen der Lebensmittel- und Produktsicherheit der Europäischen Union (EU) teilnehmen können. In einem globalisierten Markt ist dies eine wichtige Voraussetzung für die Gewährleistung des Gesundheitsschutzes. Die Angleichung, welche der Bundesrat vorschlägt, soll gleichzeitig zur Vereinfachung des Warenverkehrs mit der EU und zur Senkung des Preisniveaus in der Schweiz beitragen.

12.11.2010 | Lebensmittel

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Bild: aus: Eurobarometer Biotechnologie 2010

In Eurobarometer-Umfragen wird die Einstellung der Europäer gegenüber der Bio- und Gentechnologie regelmässig abgefragt. Im Eurobarometer 2010 ist auch die Befragung in der Schweiz enthalten. Die Skepsis gegenüber der Anwendung der Gentechnik im Lebensmittelbereich hat fast überall in Europa zugenommen. Während 2005 noch 27 Prozent der Befragten in allen 27 Mitgliedstaaten Gentech-Lebensmitteln ganz oder überwiegend zustimmten, ist dieser Anteil bei der Umfrage 2010 auf 23 Prozent gesunken. Die generelle Botschaft des Eurobarometers 2010 ist, dass die Entwicklung gentechnisch veränderter Lebensmittel nicht gefördert werden sollte. In der Schweiz sind nur gerade 18% für die Förderung, 71% sind dagegen, 11% haben keine Meinung. Der Eurobarometer liefert zudem folgende Aussagen zum Verhältnis der EuropäerInnen gegenüber Gentech-Lebensmitteln:

Die Mehrheit der Europäer ist der Meinung, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel nicht gut für sie und ihre Familie sind.

Eine Mehrheit hält gentechnisch veränderte Lebensmittel nicht unbedenklich für ihre Gesundheit.

Eine Mehrheit ist der Meinung, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel für künftige Generationen nicht unbedenklich sind.

Breiter Konsens, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel vollkommen unnatürlich sind.

Gentechnisch veränderte Lebensmittel rufen bei der Mehrheit der Europäer Unbehagen hervor.

Weniger als ein Viertel stimmt der Aussage zu, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel keine Belastung für die Umwelt darstellen.

Eine Mehrheit stimmt zu, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel einigen Menschen Vorteile bringen, für andere aber ein Risiko darstellen.

Weniger als ein Drittel ist der Meinung, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel förderlich für die Wirtschaft sind.

Zwei von fünf Befragten stimmen zu, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel Menschen in Entwicklungsländern helfen.

externer Link: Eurobarometer Biotechnologie 2010

externer Link: Transgen.de


14.2.2011 | Lebensmittel

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Bild: Maja Dumat / pixelio.de

Der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) hat eine wegweisende Empfehlung für das EuGH-Urteil zur Verunreinigung von Honig durch den Mais MON810 gegeben. Er bestätigt im Wesentlichen die Rechtsauffassung der klagenden Imker: Auch geringste Mengen des Blütenpollens vom Gentech-Mais MON810 im Honig führen dazu, dass der Honig zu einem gentechnisch veränderten Lebensmittel wird und seine Verkehrsfähigkeit verliert. Das deutsche Bündnis zum Schutz der Bienen vor Agro-Gentechnik begrüsste den Antrag des Generalanwalts. Imker könnten sich bei dieser Rechtsauslegung besser gegen Gentech-Felder wehren. Das abschliessende Urteil des EuGH erfolgt in den nächsten Monaten.

externer Link: Pressemitteilung Gerichtshof der Europäischen Union
externer Link: Bienen & Agro-Gentechnik
externer Link: taz.de

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Trotz Bewilligung protestieren viele Menschen gegen den Entscheid des FDA Bild: Steve Rhodes, Flickr

Erstmals ist ein gentechnisch verändertes Tier zum Verzehr und Verkauf zugelassen worden. Seit 1996 hat der Konzern AquaBounty auf eine Bewilligung für ihren im Volksmund „Frankenfish“ genannten Lachs gewartet. Vor einigen Tagen hat die US-Lebensmittelaufsicht diesen freigegeben. Der GV-Lachs selbst wird aber nicht in den USA gezüchtet. Die Eier dürfen nur in einer speziellen Anlage in Kanada erzeugt werden und die Aufzucht findet in einer Anlage in Panama statt, von wo aus sie dann in die USA importiert werden sollen.

23.01.2013 | Lebensmittel

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Weltweit wurden 2011 über 8 Millionen Hektar gentechnisch veränderter Raps angebaut, der grösste Teil davon in Kanada.

In Baden-Württemberg haben die Behörden erneuet Spuren von gentechnisch verändertem Raps in Speise-Senf gefunden. Zwei von elf Proben enthielten Spuren des herbizidresistenten Raps GT73 von Monsanto. Zur Herstellung von scharfem Senf werden vor allem Saaten von Braun- und Schwarzsenf verwendet. Besonders der Braunsenf wird häufig aus Kanada importiert. Da der gefundene Raps GT73 keine umfassende EU-Zulassung als Lebensmittel besitzt, mussten die betreffenden Senfprodukte vom Markt genommen worden.

03112015Beim Birnenspritzen
Viele Verbraucher sind sich der Gefahr von Pestizidrückständen auf Obst und Gemüse bewusst. Bild: Kopiersperre

Gentechnisch veränderte Lebensmittel kommen in Deutschland auch weiterhin nicht gut an. Dies wurde durch eine Umfrage im Auftrag der Bundesbehörde bestätigt. Aber auch andere Probleme in der Landwirtschaft beunruhigen Verbraucherinnen und Verbrauchen. Sie wünschen sich mehr Schutz durch den Staat. Bei der Umfrage stellte sich heraus, dass neben Risiken wie Rauchen oder Klima- und Umweltbelastung, auch Gentechnik und Genmanipulation in Lebensmitteln bei vielen Befragten als eine grosse Gefahr für die Gesundheit eingestuft werden.