Agrotreibstoffe

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Trotz schlechter Energiebilanz und Konkurrenz zu Lebensmitteln ist der Anbau von Agrotreibstoffen auf dem Vormarsch.

Die SAG hinterfragt die Strategie, aus Nutzpflanzen Treibstoff zu produzieren. Agrotreibstoffe in globalem Massstab sind klimapolitisch nicht sinnvoll. Die Nachfrage nach Treibstoffpflanzen wie Jatropha, Zuckerrohr oder Palmöl verdrängt zudem den Anbau von Nahrungsmitteln und verschärft im Süden den Hunger. Die SAG unterstützt daher die Forderung nach einem Moratorium für die Einfuhr von Agrotreibstoffen in der Schweiz. Die Schweiz soll vielmehr klima-, umwelt und entwicklungspolitisch sinnvolle Wege einschlagen, hin zu sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltigen erneuerbaren Energien.

Agrotreibstoffe werden schon jetzt aus gentechnisch veränderten Pflanzen (Mais und Soja) produziert. Gentech-Sorten anderer wichtiger Pflanzen für die Treibstoffproduktion wie Zuckerrohr, Zuckerrüben, Pappeln, Eukalyptus etc. sind in der Pipeline. Agrotreibstoffe können sich damit als Einfallstor für gentechnisch veränderte Pflanzen auch in Europa erweisen.

Petition Agrotreibstoffe

Eine breite Trägerschaft hat eine Petition lanciert. Sie verlangt die Einführung von Zulassungskriterien, welche sozial und ökologisch problematische Agrotreibstoffe generell ausschliessen. In die Kriterien müssen dabei insbesondere die Ernährungssicherung in den Herkunftsländern sowie indirekte Verdrängungseffekte einbezogen werden.

Parlamentarische Initiative Agrotreibstoffe

Eine Parlamentarische Initiative der nationalrätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie fordert strenge Zulassungskriterien für Agrotreibstoffe in der Schweiz. Damit sollen auch aktuell in der Schweiz geplante, nicht nachhaltige Projekte verhindert werden.

Die Umweltkommission des Nationalrats (UREK) hat im Mai 2011 erneut über die Parlamentarische Initiative beraten, die die Zulassung von Agrotreibstoffen einschränken will. Swissaid kommentiert: „Trotz der deutlichen Unterstützung für die Gesetzesvorlage entschied die bürgerliche Mehrheit der Kommission, das Geschäft zu vertagen. Es soll zunächst ein Bericht abgewartet werden, in dem geklärt werden soll, ob Agrotreibstoffe nicht doch das Klima schützen können. Das ist bereits durch zahlreiche Studien widerlegt und der hartnäckige Mythos, Agrotreibstoffe reduzierten den CO2 Ausstoss, ist für SWISSAID unverständlich. Im Gegenteil belasten viele Agrotreibstoffe das Klima mehr als fossile Treibstoffe, vor allem aufgrund der Zerstörung tropischer Wälder.“

Moratorium Agrotreibstoffe

Im Oktober 2008 hat Nationalrat Rudolf Rechsteiner eine Parlamentarische Initiative (08.480) unter dem Titel «Moratorium für Agrotreibstoffe» eingereicht. Sie verlangt:
Es werden gesetzliche Bestimmungen erarbeitet:
1. Für den Erlass eines fünfjährigen Moratoriums für die Einfuhr von Agrotreibstoffen bzw. Rohstoffen zu deren Herstellung. Agrotreibstoffe sind Treibstoffe wie Ethanol aus Zuckerrohr, Zuckerrüben, Mais, Weizen, Pappeln, Eukalyptus usw. sowie Diesel aus Raps, Soja, Palmöl, Jatropha usw.
2. Treibstoffe aus Biogas, aus Abfällen der Lebensmittel-, Land- und Forstwirtschaft sowie Altöl fallen nicht unter das Moratorium. Dies gilt ebenfalls für flüssige Treibstoffe aus dezentraler Produktion für den lokalen Verbrauch.

Argumente gegen die Produktion von Agrotreibstoffen

– Treibstoff aus Monokulturen verschärft Nahrungsmittelkrisen und soziale Unrast
– Treibstoff aus Monokulturen gefährdet Regenwälder, Biodiversität und Lebensräume
– Treibstoff aus Monokulturen belastet die Wasservorräte
– Treibstoff aus Monokulturen ersetzt keine fossilen Brennstoffe und verschärft den Klimawandel
– Treibstoff aus Monokulturen führt zu mehr Armut, nicht zu Entwicklung
– Noch mehr Monokulturen: Soziale Ungerechtigkeit lässt Bauern keine Chance
– Biogas aus Kompost und Treibstoff aus Abfällen oder Restholz sind ok.

Potenziale der Gentechnik bei Energiepflanzen

Das deutsche Bundesamt für Naturschutz BfN publizierte 2009 eine Studie, welche folgenden Fragen nachgeht: Was kann die Gentechnik technisch für den Energiepflanzenanbau leisten? Welche technischen Optionen sind bereits in der Entwicklung und welche werden aus Sicht von öffentlichen Forschern und privaten Züchtern in Deutschland verfolgt?