Koexistenz

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Quelle: www.transgen.de

Als Koexistenz bezeichnet man die Möglichkeit, dass verschiedene landwirtschaftliche Konzepte wie der Gentech-Anbau, die konventionelle Landwirtschaft, der IP-Anbau oder der biologische Landbau nebeneinander praktiziert werden können, ohne dass die Richtlinien der einzelnen landwirtschaftlichen Anbaumethoden verletzt werden. Da verschiedene Anbaumethoden in der Landwirtschaft naturgemäss nicht voneinander getrennt praktiziert werden, sind geeignete Massnahmen für Anbau, Ernte, Transport, Lagerung und Verarbeitung erforderlich. Sie sollen zufällige Vermischungen von gentechnisch veränderten und nicht veränderten Kulturen verhindern, die durch Verunreinigung von Saatgut, durch Pollenflug, Durchwuchs oder durch unsachgemässe Ernte- bzw. Lagerpraktiken verursacht werden können.

Eine Koexistenz zwischen GVO-Pflanzungen und konventioneller sowie biologischer Landwirtschaft ist für zahlreiche Kulturpflanzen praktisch nicht möglich, wenn gleichzeitig das Recht auf Wahlfreiheit garantiert werden soll. Die Verunreinigung mit GVO-Produkten kann mit grossem Aufwand zwar verringert, aber nicht vollständig verhindert werden. Die Schweiz ist in der komfortablen Lage, noch eine wirkliche Wahl treffen zu können, da noch keine genmanipulierten Pflanzen in die Umwelt kommerziell angebaut wurden. Die weitaus sicherste, einfachste und billigste Möglichkeit, das Problem der Kontamination gar nicht erst entstehen zu lassen, ist der Verzicht auf Gentech-Pflanzen in die Landwirtschaft.

Die Unterschiede bei der konkreten Ausgestaltung nationaler Koexistenzregelungen in der EU sind sehr gross.


Weltweit gibt es bereits hunderte von Kontaminationsfällen – durch Koexistenzprobleme, Fehler in der Warenflusstrennung oder durch Verwechslung von Saatgut.


Eine technische Lösung zur Koexistenzproblematik soll durch die Verhinderung der Ausbreitungsfähigkeit von gentechnisch veränderten Pflanzen erzielt werden (biologisches containment). Mit konventioneller Züchtung und mit Hilfe der Gentechnik sollen Pflanzen hergestellt werden, die nicht mehr in der Lage sind, Pollen zu produzieren, die keine Blüten ausbilden oder deren Samen steril sind.

Mai 2013

Ende der Vernehmlassungsfrist für die Koexistenzregelung. Die Mehrheit der Vernehmlassungsantworten stehen dem Vorschlag kritisch bis ablehnend gegenüber. Auch die SAG lehnt die vorgeschlagene Regelung ab.

Januar 2013

Der Bundesrat schickt die Koexistenzverordnung in die Vernehmlassung. Die Koexistenzregelung basiert auf den Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogammes NFP 59. Damit eine Koexistenz überhaupt umsetzbar ist, braucht es Anpassungen des Gentechnik-Gesetztes und weiterer Verordnungen, die ebenfalls Teil der Vernehmlassung sind. Vorgeschlagen wird auch die Schaffung von gentechnikfreien Zonen.

September 2011

Im September 2011 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in seinem "Honigurteil" Pollen aus Gentech-Pflanzen im Honig als Lebensmittelzutat eingestuft, für die eine gentechnikrechtliche Zulassung erforderlich ist. Ein Grossteil der Imker sieht in dem Urteil einen wichtigen Etappensieg in Richtung einer gentechnikfreien Landwirtschaft. Das Urteil wird auch hinsichtlich der Koexistenz Konsequenzen haben (Abstandsregelungen zwischen Feldern und Bienenstöcken).

Juni 2011

Im Rahmen des NFP 59 vergleicht eine Studie von Agroscope ART die Wirtschaftlichkeit von Gentech-Ackerkulturen unter Berücksichtigung der Kosten von Koexistenzmassnahmen. Käme es zu strengen Koexistenzregelungen in der Schweiz, so würden diese ein ernsthaftes wirtschaftliches Hindernis für den Anbau von Gentech-Pflanzen in der Schweiz darstellen.

Juli 2010

Am 13. Juli 2010 hat die EU-Kommission neue Leitlinien zur Koexistenz in Kraft gesetzt. Sie könnten eine Wende in der europäischen Gentechnik-Politik einleiten. Im Wesentlichen ist es nun den Mitgliedsstaaten überlassen, ihre Vorstellung von Koexistenz durchzusetzen.

September 2009

Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW wird in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt BAFU am Entwurf für die schweizerische Koexistenzverordnung weiterarbeiten und eventuell nötige Gesetzesänderungen prüfen.

Oktober 2008

Im Rahmen des NFP 59 werden erste Resultate zur Koexistenz veröffentlicht.

April 2008

Am 4. April 2008 ist die Novellierung des Deutschen Gentechnikgesetzes im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden und ist damit rechtskräftig. Das revidierte Deutsche Gentechnikgesetz bringt eine Verschärfung der Koexistenzregeln. Verlangt wird ein Sicherheitsabstand von 150 Meter zwischen Feldern mit Gentech- und konventionellem Mais. Zu ökologisch bewirtschafteten Feldern muss ein Abstand von 300 Metern eingehalten werden.

Juni 2006

Die Arbeiten an der Koexistenzverordnung werden wegen des laufenden Gentech-Moratoriums vorläufig eingestellt.

Januar 2006

Die EU Kommission publiziert eine Machbarkeitsstudie zur Koexistenz von GVO und Nicht-GVO in der landwirtschaftlichen Praxis.

Dezember 2005

Ende Dezember reicht die SAG zu Handen des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement ihre Stellungnahme zum Entwurf der Koexistenzverordnung ein.

Dezember 2005

Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik (agroscope FAT Tänikon) publiziert eine Literaturanalyse zu Kosten der Koexistenz landwirtschaftlicher Anbausysteme mit und ohne Gentechnik.

Oktober 2005

Der Bund veröffentlicht einen Entwurf zu einer Koexistenzverordnung.

Februar 2005

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau publiziert die Studie «Produktion mit und ohne Gentechnik: Standards für die Koexistenz und Warenflusstrennung».

September 2004

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau publiziert die Studie «Räumliche Aspekte der Koexistenz in der Schweiz».

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Teosinte ist ursprünglich in Mexiko beheimatet und wurde 2009 zum ersten Mal in Spanien gesichtet. Bild: Bernardo Bolaños

Teosinte, die Ursprungspflanze des Mais breitet sich in Spanien als invasive Art aus. Mit einem offenen Brief machen 13 Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft und Umwelt die EU-Kommission darauf aufmerksam, dass Teosinte und Mais sich miteinander kreuzen und gemeinsame Nachkommen bilden können und damit das Risiko eines Gentransfers zwischen Teosinte und Gentechnik-Mais besteht. In Spanien wird auf über 100.000 Hektar der Gentech-Mais MON810 von Monsanto angebaut. Die Organisationen verlangen deswegen ein Verbot des Anbaus von Mais MON810. Teosinte ist ursprünglich in Mexiko beheimatet und wurde 2009 zum ersten Mal in Spanien gesichtet. Aber weder die spanischen Behörden noch der US-Konzern Monsanto haben die EU-Kommission offiziell darüber informiert. Inzwischen breiten sich die Pflanzen in den Regionen Aragon, Navarra und Katalonien aus und sind dort zu einer erheblichen Bedrohung für den Maisanbau geworden. Um wirksame Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung von Teosinte zu ergreifen, haben regionale Behörden den Anbau von Mais in einigen Gebieten sogar bereits verboten.

06.03.2015 | Koexistenz

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Eine Studie der Universität Bremen zeigt, dass Maispollen häufig mehrere hundert Meter weit fliegen. Der Rekordwert lag bei 4,5 Kilometern. Bild: Transgen

Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA will ihre Risikobewertung für den Anbau von gentechnisch verändertem Mais erneut überprüfen. Grund dafür ist die bisher umfassendste Studie über die Verbreitung von Maispollen in der Umwelt. Forscher aus Bremen und Bonn hatten Daten zur Ausbreitung von Maispollen über einen Zeitraum von zehn Jahren ausgewertet und ihre Ergebnisse 2014 veröffentlicht. Derzeit sieht die EFSA aufgrund eines Computermodells beim Anbau von Gentechnik-Mais Sicherheitsabstände zu Naturschutzgebieten von nur 20 bis 30 Metern vor. Die neue Studie zeigt aber, dass der Pollen oftmals mehrere Kilometer weit fliegt. Um die Raupen geschützter Schmetterlinge vor der Aufnahme des insektengiftigen Pollen zu schützen, empfehlen die Wissenschaftler, die Abstände auf einen Bereich auszuweiten, der sich im Rahmen von Kilometern statt Metern bewegt. Nach ihrer Ansicht müssen die Sicherheitsabstände und die möglichen Auswirkungen auf sogenannte Nichtzielorganismen grundsätzlich neu bewertet werden.

02.05.2013 | Koexistenz

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Zu teuer, zu aufwändig, nicht erwünscht: Koexistenz ist in der Schweiz nicht praktikabel.  Bild: greenpeace

Gentechfreie Zonen werden von Gegnern und Befürwortern von Gentech-Pflanzen abgelehnt. Dies ein erstes Fazit am Ende der Vernehmlassungsfrist zur Regelung der Koexistenz in der Schweiz. Mehr als 70 Stellungnahmen sind beim Bund eingegangen. Konsumenten- und Landwirtschaftsorganisationen, Umweltverbände, Grüne Partei und SP lehnen die vorgeschlagene Koexistenz-Regelung ab. Sie alle fordern eine gentechnikfreie Schweiz. Aber auch Wirtschaftsverbände erachten verordnete Gentechfrei-Zonen als problematisch. „Für gewisse Kreise ist es verfrüht, gesetzgeberisch tätig zu werden, bevor der vom Parlament beantragte Bericht über Kosten und Nutzen von GVO für die Landwirtschaft vorliegt,“ schreibt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) in einer ersten Stellungnahme. Kritisiert werde überdies die mangelnde Durchführbarkeit der Massnahmen, die möglichen wirtschaftlichen Folgen und der hohe administrative Aufwand, der mit dem Vollzug verbunden wäre. Aus diesem Grund äussern sich auch viele Kantone ablehnend. Sie fürchten einen grossen Administrations- und Kontrollaufwand, verbunden mit hohen Kosten. Beim Bund heisst es, man werde nun die eingegangenen Stellungnahmen vertieft analysieren und in einem Bericht erörtern. Ausserdem werde geprüft, wie in Anbetracht der Stellungnahmen weiter vorzugehen sei und wie namentlich die vorgeschlagenen Änderungen und Ergänzungen integriert werden sollen. Am Schluss dieses Verfahrens wird der Bundesrat sich äussern und dem Parlament einen Vorschlag unterbreiten. Die Grüne Partei hat bereits angekündigt, dass sie gegen eine Koexistenz-Regelung das Referendum ergreifen würde.

 

07.05.2013 | Koexistenz

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Für die Kontrolle des Saatgutes und der Abstände würden bei den Kantonen zusätzliche Ressourcen benötigt.
Bild ag.ch

Mit den vorgeschlagenen Regelungen würden GVO-Produzenten die unternehmerische Freiheit der benachbarten Produzenten mit konventioneller Landwirtschaft und Biolandbau einschränken, schreibt der Kanton Aargau in seiner Stellungnahme zur Koexistenz-Vorlage. Um die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten zu gewährleisten, seien zudem neben der Selbstkontrolle der Landwirte auch komplexe behördliche Kontrollen zur Warenflusstrennung vom Saatgut bis hin zur Verarbeitung notwendig. Diese Kontrollen würden zu hohen Kosten für Landwirte, Behörden und Konsumenten führen. Der hohe Aufwand zur Gewährleistung der Koexistenz und der Wahlfreiheit der Konsumenten stehe in keinem günstigen Verhältnis zum möglichen Ertrag durch Herbizidresistenz oder Schädlingsresistenz von GVO-Kulturpflanzen, heisst es weiter. Gestützt auf diese Erwägungen weißt der Kanton Aargau die Vorlage in der vorliegenden Form zurück. Ausserdem müsse die gesetzliche Grundlage geschaffen werden, dass die ganze Schweiz als gentechnikfreies Gebiet bezeichnet werden könne.

02.05.2013  Koexistenz

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Die gesamte Schweiz sollte als gentechfreies Gebiet anerkannt werden dürfen.  Bild: greenpeace

Junge Schweizer Bauern möchten keine Gentech-Pflanzen in der Schweiz. Sie lehnen die vorgeschlagene Koexistenz-Regelung des Bunderates ab. Für die Junglandwirtekommission (JULA) ist klar: Die vom Bundesrat vorgeschlagenen Koexistenz-Regelungen verursachen einen hohen administrativen Aufwand und zusätzliche Kosten für die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft. Dies zumindest solange wie keine GV-Sorten auf dem Markt sind, die einen wirtschaftlichen Mehrwert bringen und vom Markt akzeptiert werden.
Als unverständlich erachtet die JULA ausserdem die bundesrätliche Vorschrift, dass jeder Kanton eine angemessene Fläche mit GVO-Anbau aufweisen muss. Die JULA fordert, die Koexistenz-Regelung müsse so ausgestaltet werden, dass die gesamte Schweiz als GVO-freies Gebiet anerkannt werden dürfe, falls dies gewünscht werde.