Neue gentechnische Verfahren

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Modell einer CRISPR/Cas9 Editierung bei Streptococcus pyogenes, Bild: clipdealer

Gegenwärtig wird verstärkt über die kommerzielle Nutzung von neuen gentechnischen Verfahren bei der Züchtung von Pflanzen und Tieren diskutiert. Dabei handelt es sich um verschiedene Verfahren, wie beispielsweise die ZFN-, TALEN- oder CRISPR/Cas9-Technik, bei denen Gen-Scheren zum Einsatz kommen oder direkte Eingriffe in die Genregulierung vorgenommen werden.

Es bestehen widersprüchliche Rechtsauffassungen, ob diese Methoden in den Geltungsbereich der Gentechnik Gesetzgebung fallen oder nicht. Die Biotech-Industrie fordert, diese Verfahren von der Gentechnikregulierung auszunehmen. Zwei neue Gutachten in Deutschland kommen hingegen zum Schluss, dass diese Techniken unter den Geltungsbereich der EU-Gentechnik Gesetzgebung fallen.

Das Potential zur Veränderung des Erbgutes geht bei den neuen Techniken über das der bisherigen gentechnischen Verfahren hinaus. Die Grenzen der Machbarkeit und der Beeinflussung des Erbmaterials werden deutlich verschoben.

Die neuen gentechnischen Verfahren werden zunehmend auch zur genetischen Veränderung von Modelltieren für die Grundlagenforschung und von Nutztieren eingesetzt. Fachleute rechnen mit einem dramatischen Anstieg der Anzahl Gentech-Tiere.

 


laborbild1Bild: Clipdealer

In China sind erstmals zwei Mädchen zur Welt gekommen, deren Erbgut im Embryostadium mit der Genschere Crispr/Cas verändert wurde. Die Empörung weltweit ist gross. Der verantwortliche Genomforscher Jiankui He musste nach seinem Vorpreschen auf Druck der chinesischen Regierung jegliche Forschungen einstellen. Ende November fand in Hongkong die zweite internationale Tagung zur Genomeditierung beim Menschen statt. Auch Jiankui He war eingeladen, um seine Forschungen zu präsentieren.

170921Genomediting3Welche Folgen die Genom-Editierung hat, weiss die Wissenschaft nicht. Illustration: Aurel Märki

Mit der sogenannten Genom-Editierung gewinnt die Diskussion um die Gentechnik wieder an Fahrt. Noch bevor konkrete, marktfähige Produkte verfügbar sind, werden ihre Eigenschaften hochgelobt und über deren Zulassung gestritten. Unverständlich, denn es gibt klare Regeln: Im Gentechnikgesetz. Neue Gentechnik-Verfahren sind Gentechnik. Schon der Name macht es deutlich. Eine Technologie, die als Bezeichnung den Begriff „Genom-Editierung“ verwendet, muss unter das Gentechnikgesetz fallen und die dort vorgeschriebenen Riskiobeurteilungen durchlaufen. Und sollten diese Produkte zukünftig eine Marktzulassung erhalten, schreibt das Gentechnikgesetz eine Deklarationspflicht vor, damit die Konsumierenden selber entscheiden können, ob sie gentechnisch veränderte Nahrungsmittel essen wollen oder nicht. Diese Wahlfreiheit ist ein wichtiges Gut und gesetzlich verankert.

180710ZellkulturZellkulturen im Labor. Bild: Fotolia

Führende Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) aus Deutschland und Österreich, wie EDEKA, Lidl, REWE und SPAR, haben mit einem offenen Brief einen dringlichen Appell an die EU-Kommission gerichtet. Diese soll die Verfahren der Neuen Gentechnik und die daraus entstehenden Produkte nach EU-Gentechnikrecht als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) einstufen und entsprechend regulieren. Die Lebensmittelhändler begründeten ihre Forderung mit dem Vorsorgeprinzip. Um Verbraucher und Umwelt zu schützen, müssten die Verfahren der Neuen Gentechnik – analog zur bestehenden Gentechnik – vor ihrer Zulassung für Anbau oder Verwendung einer fundierten Risikobewertung unterzogen werden. Auch die vollständige Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung seien zu garantieren, damit die Wahlfreiheit der Verbraucher gewährleistet bleibe.

gene Fotolia 172051484 SGene Drives als Gefahr für die Umwelt. Bild: Fotolia

Mehrere deutsche Organisationen haben in einem offenen Brief an Bundesumwelt-Ministerin Svenja Schulze ihre Bedenken gegenüber Organismen, die mit der „Gene Drive“-Technik gentechnisch verändert wurden, geäussert. Sie forderten wirksame Massnahmen gegen die unkontrollierte Ausbreitung dieser Organismen. In einer Antwort auf den Brief zeigt sich das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Sicherheit ebenfalls kritisch in der Thematik. 

180821rapsRaps­samen sind im Boden jahrelang keimfähig. Verunreini­gungen sind beim Raps nicht rückholbar. Bild: Clipdealer

Das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat aktuell einen Bescheid zurückgenommen, in dem es 2015 einen mit einem neuen Gentechnik-Verfahren hergestellten herbizidresistenten Raps der Firma CIBUS nicht als Gentechnik im Sinne des Gentechnikgesetzes eingestuft hatte. Gegen diesen Bescheid des BVL hatte ein Bündnis aus zahlreichen deutschen Landwirtschafts-, Umwelt- und anderen zivilgesellschaftlichen Verbänden mit Saatgut-Initiativen Widerspruch und Klage erhoben.