Neue gentechnische Verfahren

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Modell einer CRISPR/Cas9 Editierung bei Streptococcus pyogenes, Bild: clipdealer

Gegenwärtig wird verstärkt über die kommerzielle Nutzung von neuen gentechnischen Verfahren bei der Züchtung von Pflanzen und Tieren diskutiert. Dabei handelt es sich um verschiedene Verfahren, wie beispielsweise die ZFN-, TALEN- oder CRISPR/Cas9-Technik, bei denen Gen-Scheren zum Einsatz kommen oder direkte Eingriffe in die Genregulierung vorgenommen werden.

Es bestehen widersprüchliche Rechtsauffassungen, ob diese Methoden in den Geltungsbereich der Gentechnik Gesetzgebung fallen oder nicht. Die Biotech-Industrie fordert, diese Verfahren von der Gentechnikregulierung auszunehmen. Zwei neue Gutachten in Deutschland kommen hingegen zum Schluss, dass diese Techniken unter den Geltungsbereich der EU-Gentechnik Gesetzgebung fallen.

Das Potential zur Veränderung des Erbgutes geht bei den neuen Techniken über das der bisherigen gentechnischen Verfahren hinaus. Die Grenzen der Machbarkeit und der Beeinflussung des Erbmaterials werden deutlich verschoben.

Die neuen gentechnischen Verfahren werden zunehmend auch zur genetischen Veränderung von Modelltieren für die Grundlagenforschung und von Nutztieren eingesetzt. Fachleute rechnen mit einem dramatischen Anstieg der Anzahl Gentech-Tiere.

 


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Zentrales Instrument der neuen Gentechnik-Verfahren sind sogenannte DNA-Scheren, die es erlauben sollen, das Erbgut an bestimmten Stellen zu verändern. Bild: Testbiotech

Ein Bericht von Testbiotech gibt erstmals einen Überblick über die Patentanmeldungen großer Konzerne in den Bereichen des Gen-Editing und der Synthetischen Gentechnik. Die US-Konzerne DuPont und Dow Agrosciences haben die meisten Patente auf die neuen Verfahren und die damit hergestellten Pflanzen angemeldet, gefolgt vom deutschen Konzern Bayer. Auffallend ist zudem eine steigende Anzahl von Patentanträgen auf Gentechnik-Nutztiere. Der Bericht gibt Beispiele für Pflanzen und Tiere, die mit diesen Methoden manipuliert wurden und zeigt dabei auch unerwartete Nebenwirkungen und Risiken auf. Konzerne wie DuPont fordern, dass die mit den neuen Methoden produzierten Pflanzen und Tiere ohne Zulassungsverfahren und Kennzeichnung vermarktet und freigesetzt werden dürfen. Doch die vorliegenden Publikationen über entsprechende Anwendungen zeigen, dass die neuen Verfahren mit vielen Nebenwirkungen einhergehen und keineswegs so zielgerichtet sind, wie von der Industrie oft behauptet wird.

Fachtagung Dialog Grun
Die Fachtagung Dialog Grün fand im Auditorium Maximum der ETH statt. Bild: ETH Zürich

Die neuen gentechnischen Methoden sind weltweit umstritten. Sowohl die Schweiz als auch die EU bearbeiten zurzeit intensiv die offenen Fragen zu deren korrekten Bewertung und Regulierung. Anfang Juni lud das Plant Science Center und das Collegium Helveticum zur Fachtagung Dialog Grün mit dem Titel «Neue Technologien in der Pflanzenforschung – eine Alternative zu Pflanzenschutzmitteln?» ein. An der Veranstaltung traten unter anderem das BLW, der Lobbyverband von Chemie, Pharma und Biotech Scienceindustries auf.

180726eughGerichtssaal am Europäischen Gerichtshof EuGH. Bild: EuGH

Durch Mutagenese gewonnene Organismen sind genetisch veränderte Organismen (GVO) und unterliegen grundsätzlich den in der GVO-Richtlinie vorgesehenen Verpflichtungen. So lautet das Urteil des Europäischen Gerichtshofes EuGH zur Regulierung der neuen Gentechnikverfahren. Die SAG begrüsst das Urteil. Sie fordert, dass die Schweiz mitzieht.

Umwelt- und Konsumentenverbände in der EU äussern sich erfreut über  diesen Entscheid des EuGH. Viele Forscher und Biotech-Industrie beklagen sich hingegen lautstark. Doch nicht alle Wissenschaftler betrachten das Urteil als fortschrittsfeindlich. Emmanuelle Charpentier, Mit-Entdeckerin der Gen-Schere CRISPR/CAS, ist für eine strenge Regulierung. Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte sie: „Diese Technologie ist mächtig, und deshalb brauchen wir eine strenge Regulierung. Europa könnte eine Vorreiterrolle spielen."

180508EKAHMit den Verfahren des Genome Editings wird direkt ins Genom eingegriffen. Bild: Clipdealer

Die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich EKAH hat einen neuen Bericht zu den ethischen Anforderungen an die Regulierung neuer Biotechnologien veröffentlicht. Vor allem die Entwicklung des so genannten Genome Editing mache es notwendig, dass der Vorsorgegedanke rechtlich konsequent gestärkt und umgesetzt werden müsse, schreibt die EKAH. Die Entwicklung von Genome Editing ist Auslöser einer neuen kontroversen Diskussion, wie die Anwendung solcher Verfahren in der Umwelt reguliert werden soll.

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Viele der diskutierten Verfahren sind noch im Stadium der Grundlagenforschung. Zu möglichen Effekten in der Umwelt sind keine Informationen vorhanden. Bild: Clipdealer

In den letzten Jahren wurden verschiedene neue Züchtungsverfahren entwickelt, mit deren Hilfe verändernd in das Genom von Pflanzen eingegriffen werden kann. So lassen sich zum Beispiel Resistenzen gegen Krankheiten und gegen Insektenbefall oder Unkrautvernichtungsmittel erzeugen. Während sich manche Verfahren noch im Stadium der Grundlagenforschung befinden, werden mit einigen Methoden bereits Pflanzen entwickelt, die kurz vor Kommerzialisierung stehen. Bei manchen Verfahren werden gentechnische und konventionelle Züchtungsschritte miteinander kombiniert, andere lösen durch einen Eingriff zelleigene Reparaturmechanismen aus, um eine Veränderung herbeizuführen. Zurzeit wird diskutiert, ob diese neuen Techniken als gentechnische Verfahren interpretiert werden müssen oder nicht. Die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich EKAH berät den Bundesrat und die Verwaltung bei der Vorbereitung der Gesetzgebung im Bereich der ausserhumanen Bio- und Gentechnologie.