Nanotechnologie

clip Bild News ab 2020 einheitliche Regeln Nanomaterialien EU 110518Bild: de.wikipedia.org.

Laut der EU ist die Europäische Chemikalienverordnung REACH (Registration, Evaluation, Autorisation and Restriction of Chemicals) grundsätzlich für die Regulierung der Verwendung von Nanomaterialien geeignet. Die Regulierung von Nanomaterialien im EU-Chemikalienrecht hat bereits eine 15-jährige Geschichte. Bisher ist die Verordnung jedoch nicht umfassend an die Belange von Nanomaterialien angepasst worden. Der REACH-Regelungsausschuss hat nun die Informationspflichten für Nanomaterialien festgelegt.

New Nanotech April  Mehrwandige Kohlenstoff-Nanoröhre Bild: de.wikipedia.org

Am 1. März 2018 traten verschiedene Änderungen der Chemikalienverordnung (ChemV) und der Biozidprodukteverordnung (VBP) in Kraft. Damit soll auch der Schutz vor Nanomaterialien für Mensch und Umwelt in der Schweiz weiter erhöht werden. Nicht in die Revision aufgenommen wurde leider die in der Vernehmlassung vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) Meldepflicht für Nanomaterialien. In der Chemikalienverordnung sollten Meldepflichten für sämtliche synthetischen Nanomaterialien sowie für Firmen, die synthetische Nanomaterialien zur Herstellung von Produkten verwenden, eingeführt werden. Dieser Vorschlag wurde aber nach den eingereichten Stellungnahmen wieder zurückgezogen: Vor allem die Industrie und zwei politische Parteien standen der Einführung neuer Meldepflichten ablehnend gegenüber, weil die hohen Kosten dieser Verpflichtungen einem geringen Nutzen gegenüberständen, so die Argumentation. Damit müssen nun nur gefährliche Nanomaterialien offengelegt werden. Die SAG hatte den Vorschlag des Bundes unterstützt und namentlich begrüsst, dass Nanomaterialien von der Ausnahme der Meldepflicht ausgeschlossen werden sollen.

Nanoplastik Meere angepasst2Plastik sammelt sich massenhaft im Ozean an. Bild: tagesschau.de

In den Weltmeeren schwimmen Millionen von Tonnen an Plastikmüll, darunter Plastikflaschen, Verpackungsmaterial, Fischernetze und zahlreiche weitere Kunststoffabfälle vom Einwegrasierer bis zu Flip-Flops. Jedes Stück Plastik, das in den letzten 50 Jahren hergestellt wurde und in die Meere gelangte, ist dort noch immer vorhanden. Es wird geschätzt, dass etwa 10% des produzierten Plastiks in den Ozeanen endet, etwa via Abwasseranlagen, Abfall oder Ablagerung durch die Luft. Diese Menge an Plastik entspricht etwa 60-80% der totalen Ablagerungen im Meer. Es sei bis heute gezeigt worden, dass dadurch über 660 Arten in den Meeren betroffen sind, sei es durch Verstrickung im Plastik oder durch Aufnahme mit der Nahrung. Laut dem NanoInformationsPortal treiben durchschnittlich 13’000 Plastikmüllpartikel auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche.

171004Nanotechnologie Uberwachung Korperfunktion 290917 bearbeitet 1Nanomaterialien kommen bei der Entwicklung sogenannter elektronischer Haut ("e-Skin") zur Anwendung. Bild: Someya Laboratory.

Manche Menschen sind sich bereits heute an den Fitness Tracker am Handgelenk gewohnt. Das Fitnessarmband überwacht die zurückgelegte Strecke, die Anzahl der Schritte, zählt die bewältigten Treppenstufen, berechnet die verbrannten Kalorien, wacht über den Schlafrhythmus und die Schlafqualität und gewisse Modelle überwachen die Herzfrequenz. Projekte mit nanotechnologischen Materialien streben heute an, neue Möglichkeiten für flexible und dehnbare Monitoring-Geräte zu realisieren, die direkt auf der Haut getragen werden. Man spricht in Fachkreisen von elektronischer Haut ("e-Skin"), epidermaler Elektronik oder elektronischer Tätowierung. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Mensch-Maschinen-Schnittstelle. Die auf der Haut befestigten Sensoren sollen als diagnostische Instrumente im Bereich der Medizin angewandt werden.

nanodatabase Webseite des dänischen Inventars "The Nanodatabase". Bild: Nanodatabase

Das dänische Inventar „The Nanodatabase“ listet nach Anwendungsbereichen und Nanomaterialien auf dem Markt verfügbare Publikumsprodukte auf. Die Datenbank enthält derzeit über 3000 Produkte. Neben der Produktedatenbank befasst sich das Portal aber auch mit Fragen der Risikoanalyse. Sie orientiert sich dabei an einer Publikation von Steffen Foss Hansen, Professor am dänischen Center for Nanotechnology NanoDTU. Hansen spricht sich für ein Regulierungswerkzeug spezifisch für synthetische Nanomaterialien aus, wie er in einem Artikel in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Nanotechnology“ darlegt. Er nennt seinen Ansatz REACT NOW (jetzt reagieren). Die Abkürzung bedeuted im Englisch “Registration, Evaluation, Authorization, Categorization and Tools to Evaluate Nanomaterials - Opportunities and Weaknesses”. Mit einem neuen gesetzgebenden Rahmenwerk soll die Registrierung, die Evaluierung, die Bewilligung und die Kategorisierung von Nanomaterialien gewährleistet werden.